Einfache Sprache auf der Website: verständlich, nicht simpel
Kurz gesagt: Einfache Sprache heißt nicht, Inhalte wegzulassen oder kindlich zu schreiben. Sie heißt: kurze Sätze, bekannte Wörter, Fachbegriffe erklärt, das Wichtigste zuerst. Die meisten Website-Texte von Betrieben werden mit fünf, sechs Handgriffen deutlich verständlicher – und Interessenten finden schneller, was sie suchen. Unten sehen Sie zuerst Beispiele, dann die Regeln dahinter.
Sechs Sätze vorher und nachher
Die folgenden Beispiele sind frei formuliert, aber typisch für Websites von Handwerk, Praxis und Dienstleistung.
1. Der Schachtelsatz
Vorher: „Im Rahmen unserer langjährigen Tätigkeit im Bereich der Sanierung von Altbauwohnungen, die wir mit einem Team aus erfahrenen Fachkräften durchführen, legen wir besonderen Wert auf eine termingerechte Abwicklung.“
Nachher: „Wir sanieren Altbauwohnungen. Unser Team hält die vereinbarten Termine ein.“
2. Das Fachwort ohne Erklärung
Vorher: „Wir bieten eine thermografische Analyse Ihrer Gebäudehülle an.“
Nachher: „Mit einer Wärmebildkamera zeigen wir, wo Ihr Haus Wärme verliert – etwa an Fenstern oder am Dach.“
3. Das Substantiv statt des Verbs
Vorher: „Die Durchführung der Terminvereinbarung erfolgt nach erfolgter Kontaktaufnahme.“
Nachher: „Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns. Dann vereinbaren wir einen Termin.“
4. Die Werbephrase ohne Inhalt
Vorher: „Wir sind Ihr kompetenter Partner für innovative Lösungen rund um Ihr Badezimmer.“
Nachher: „Wir planen Ihr Bad, liefern die Fliesen und bauen alles ein.“
5. Das Passiv, bei dem keiner handelt
Vorher: „Rechnungen werden nach Abschluss der Arbeiten übermittelt.“
Nachher: „Wir schicken Ihnen die Rechnung, sobald die Arbeiten fertig sind.“
6. Die Verneinung in der Verneinung
Vorher: „Eine Stornierung ist nicht ohne vorherige Absprache nicht möglich.“ (Ja, solche Sätze stehen wirklich auf Websites.)
Nachher: „Sie können den Termin absagen. Bitte melden Sie sich dafür vorher bei uns.“
Beachten Sie, dass keiner der Nachher-Sätze Information verliert. Beispiel 2 enthält sogar mehr, weil der Nutzen für den Kunden jetzt dasteht. Darum geht es: nicht kürzen um jeden Preis, sondern das Gemeinte so sagen, dass man es beim ersten Lesen versteht.
Allen Nachher-Sätzen ist gemeinsam: Wer handelt, steht vorne. Ein Satz enthält eine Aussage. Und das Wort, das ein Kunde selbst verwenden würde, ersetzt das Wort aus dem Fachkatalog.
Was „Einfache Sprache“ eigentlich meint
Seit 2024 gibt es dafür auch eine Norm. Laut DIN ist DIN ISO 24495-1 die deutsche Fassung der internationalen Norm, und DIN 8581-1 konkretisiert die Empfehlungen für das Deutsche – auf Text-, Satz- und Wortebene. Die internationale Norm stellt vier Grundsätze in den Mittelpunkt: Die Leserschaft erhält, was sie braucht; sie findet es leicht; sie versteht, was sie findet; und sie kann die Informationen einfach verwenden.
Wichtig ist die Abgrenzung, die auch DIN beschreibt: Einfache Sprache ist eine Form der Standardsprache für ein allgemeines Publikum. Leichte Sprache ist etwas anderes, nämlich für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt, mit eigenen, deutlich strengeren Regeln. Für die meisten Betriebswebsites ist Einfache Sprache das Ziel.
Für Ihre Website bedeutet das: Sie brauchen die Norm nicht zu kaufen, um anzufangen. Die vier Grundsätze sind eine gute Prüffrage für jede Seite.
Die Regeln, nach denen Sie umschreiben
Auf Textebene
- Das Wichtigste zuerst. Was bieten Sie an, für wen, wo? Diese Antwort gehört in die ersten zwei Sätze einer Seite, nicht in den vierten Absatz.
- Eine Seite, ein Thema. Wenn eine Leistungsseite Fensterputz, Hausverwaltung und Winterdienst gleichzeitig erklärt, teilen Sie sie.
- Zwischenüberschriften als Fragen oder Aussagen. „Was kostet die Erstberatung?“ ist hilfreicher als „Konditionen“.
- Listen für Aufzählungen. Drei oder mehr gleichartige Dinge gehören in eine Liste, nicht in einen Satz mit vielen Kommas.
Auf Satzebene
- Ein Gedanke pro Satz. Als Faustregel: Wenn Sie beim Vorlesen Luft holen müssen, ist der Satz zu lang.
- Aktiv statt Passiv. Sagen Sie, wer etwas tut – meist „wir“ oder „Sie“.
- Verben statt Hauptwörter. „Wir prüfen“ statt „die Prüfung erfolgt“.
- Keine doppelten Verneinungen.
Auf Wortebene
- Kundenwörter vor Fachwörtern. Schauen Sie sich an, wie Kunden am Telefon oder in Anfragen über Ihr Angebot sprechen, und übernehmen Sie diese Wörter.
- Fachbegriffe erklären, nicht verstecken. Manchmal brauchen Sie den Fachbegriff, weil Kunden danach suchen. Dann nennen Sie ihn und erklären ihn im selben Satz: „Eine Thermografie – also eine Messung mit der Wärmebildkamera – zeigt …“
- Abkürzungen beim ersten Mal ausschreiben.
- Lange Komposita entschärfen. „Heizungsanlagenwartungsvertrag“ wird zu „Wartungsvertrag für Ihre Heizung“.
Gestaltung
Kurze Absätze, genug Abstand, Hervorhebungen sparsam. Ein fett gesetztes Wort pro Absatz reicht. Wenn alles hervorgehoben ist, ist nichts mehr hervorgehoben.
Prüfen: mit Werkzeug und mit Menschen
Lesbarkeitswerte. Microsoft Word zeigt laut Microsoft-Support (Stand November 2026) Lesbarkeitsstatistiken an – in Word für Microsoft 365 über Start → Editor → Dokumentstatistiken, darunter Werte nach Flesch Reading Ease und Flesch-Kincaid. Die Formeln stammen aus dem Englischen. Nutzen Sie die Zahlen deshalb als Vergleich zwischen alter und neuer Fassung desselben Textes, nicht als absolute Note für einen deutschen Text.
Vorlesen. Lesen Sie den Text laut. Wo Sie stolpern, stolpern auch Ihre Leser.
Der Fünf-Sekunden-Test. Geben Sie die Seite jemandem außerhalb Ihrer Branche, fünf Sekunden lang. Danach fragen: Was bietet dieser Betrieb an? Kommt die richtige Antwort, passt die Seite.
KI als Gegenleser. Ein Sprachmodell kann Sätze kürzen und Fachwörter markieren. Prüfen Sie jedes Ergebnis selbst: Beim Vereinfachen gehen gern wichtige Einschränkungen verloren.
Häufige Fragen
Wirkt Einfache Sprache nicht unprofessionell?
Nein. Fachkompetenz zeigt sich darin, dass Sie komplexe Dinge erklären können. Ein klarer Satz wirkt souveräner als ein Satz voller Fachwörter.
Verliere ich bei Google Suchbegriffe, wenn ich Fachwörter ersetze?
Ersetzen Sie Fachwörter nicht ersatzlos. Nennen Sie den Begriff, nach dem gesucht wird, und erklären Sie ihn. Häufig suchen Kunden ohnehin mit Alltagswörtern – dann gewinnen Sie eher dazu.
Muss ich die ganze Website auf einmal umschreiben?
Nein. Beginnen Sie mit den drei Seiten, die am meisten besucht werden – meist Startseite, wichtigste Leistung, Kontakt. Danach Seite für Seite.
Was ist mit „Sie“ und „du“?
Das ist eine Tonfrage, keine Frage der Einfachheit. Bleiben Sie bei dem, was zu Ihren Kunden passt – aber konsequent auf allen Seiten.
Wenn Sie Ihre wichtigsten Seiten gemeinsam in verständliche Sätze bringen möchten, schicken Sie uns einen Link – wir gehen die Startseite Satz für Satz gemeinsam durch.