Fallstudie ehrlich schreiben: Beobachtet, beabsichtigt oder nur erhofft
In vielen Fallstudien rutschen Absichten unbemerkt in Ergebnisse. „Das Formular führt zu mehr Anfragen“ klingt wie ein Befund, war aber vielleicht nur das Ziel. Dieser Beitrag schlägt ein Aussageninventar vor, das jede Behauptung einer Beweisgrenze zuordnet. Es ist ein redaktionelles Verfahren, und es verlangt keine Zahlen, die Sie nicht haben.
Das Inventar
Zerlegen Sie die Fallstudie in einzelne Aussagen, eine pro Zeile. Spalten:
- Nummer
- Wortlaut der Aussage
- Art: Beobachtung, Absicht, Vermutung, Zusage
- Beleg: was wurde gesehen, wann, von wem, wie lange
- Grenze: was der Beleg nicht zeigt
- Entscheidung: übernehmen, umformulieren, streichen
Vier Arten von Aussagen
Beobachtet: Es gibt einen Beleg, der benennt, was und wann. Beispiel: „Nach der Änderung zeigte das Formular in unserem Testlauf keine Fehlermeldung bei einer Eingabe mit Umlaut.“
Begrenzt beobachtet: Der Beleg ist schmal, zum Beispiel ein einzelner Zeitraum oder ein einzelnes Gerät. Die Grenze wird im Satz genannt.
Beabsichtigt: Es beschreibt, was die Lösung erreichen soll. Es erhält eine Formulierung mit „sollte“ oder „war darauf ausgelegt“ und steht nicht im Ergebnisteil.
Nicht belegbar: Eine Zusage über die Zukunft oder über andere Betriebe. Sie wird gestrichen oder durch eine ehrliche Beschränkung ersetzt.
Beweisgrenze prüfen
Stellen Sie zu jeder beobachteten Aussage drei Fragen. Wer hat es gesehen? Unter welchen Bedingungen? Was sonst hat sich in dieser Zeit geändert? Die dritte Frage verhindert, dass eine zeitliche Folge als Ursache gelesen wird. Wenn nebenbei auch eine Werbeaktion lief, bleibt die Aussage höchstens „danach beobachtet“, nicht „dadurch bewirkt“.
Durchgespieltes Beispiel (frei erfunden)
Eine Fallstudie über eine überarbeitete Kontaktseite enthält acht Aussagen.
- Die Seite wurde neu aufgebaut. Beobachtet.
- Das Formular hat weniger Felder. Beobachtet.
- Im Test mit zwei Geräten funktionierte der Versand. Begrenzt beobachtet, Grenze: zwei Geräte.
- Die Mitarbeitenden erhielten Anfragen mit weniger Rückfragen. Begrenzt beobachtet, nur aus dem Eindruck einer Person; die Grenze steht im Satz.
- Die Seite sollte Besuchern den Einstieg erleichtern. Beabsichtigt.
- Die Struktur sollte Suchmaschinen helfen. Beabsichtigt.
- Die Änderung steigert Ihre Anfragen. Nicht belegbar, wird gestrichen.
- Das Ergebnis lässt sich auf jede Branche übertragen. Nicht belegbar, wird gestrichen.
Bilanz: 2 beobachtet, 2 begrenzt beobachtet, 2 beabsichtigt, 2 nicht belegbar, zusammen 8 Aussagen. Die fertige Fallstudie hat damit sechs Aussagen. Zwei stehen im Ergebnisteil als Beobachtung, zwei im Ergebnisteil mit ausdrücklicher Grenze, zwei in einem getrennten Abschnitt „Ziele“.
Stoppbedingungen
Halten Sie an, wenn zu einer Beobachtung kein Beleg auffindbar ist. Dann ist es zunächst eine Erinnerung und gehört nicht in den Ergebnisteil. Halten Sie auch an, wenn die Fallstudie Zahlen enthält, deren Quelle und Zeitraum niemand mehr benennen kann. Solche Zahlen werden entfernt, nicht gerundet oder abgeschwächt. Und wenn Kundinnen oder Kunden genannt sind, klären Sie vor der Veröffentlichung, ob und wie sie genannt werden dürfen.
Abnahmetests (vorgeschlagen, nicht durchgeführt)
- Eine zweite Person ordnet alle Aussagen ohne Kenntnis Ihrer Einstufung selbst ein. Weicht sie bei mehr als einer Aussage ab, ist die Formulierung unklar.
- Der Ergebnisteil wird nach Wörtern wie „führt zu“, „garantiert“, „stets“ durchsucht. Jeder Treffer muss belegt oder umformuliert werden.
- Jede beobachtete Aussage lässt sich mit einem Eintrag in der Spalte „Beleg“ verbinden.
- Die Summe der Arten im Inventar entspricht der Zahl der Aussagen.
- Der Abschnitt „Ziele“ enthält keine Aussage in der Vergangenheitsform eines Ergebnisses.
Das Inventar macht eine Fallstudie nicht stärker, es macht sie belastbarer. Schreiben Sie unter die Fallstudie in einem Satz, was sie nicht zeigt. Das ist für Leser oft die nützlichste Zeile.