Fotograf-Website: Portfolio, Anfragen und Kundengalerien
Kurz gesagt: Eine Fotografen-Website muss drei Dinge gut machen: eine kleine, gezielt ausgewählte Bildauswahl pro Auftragsart zeigen, Anfragen mit Datum, Ort und Art des Shootings einsammeln und nach dem Auftrag die Bilder in einer privaten Galerie übergeben. Ob Sie Preise zeigen, ist eine Entscheidung, die Sie bewusst treffen sollten. Die Technik hinter schnellen Bildern ist wichtig, aber zweitrangig gegenüber der Auswahl.
Die meisten Fotografen-Websites scheitern nicht an der Qualität der Bilder, sondern an der Menge, an fehlenden Angaben in Anfragen und an einer Übergabe der Fotos, die per Download-Link im Postfach untergeht. Die folgenden sechs Probleme kommen immer wieder vor, jeweils mit einer praktischen Lösung.
Problem 1: Das Portfolio zeigt alles
Hochzeiten, Firmenporträts, Babybauch, Produkte und Konzerte auf einer Seite. Besucher wissen nicht, ob Sie die Richtige für ihre Hochzeit sind, wenn zwischen den Brautpaaren Werkstattfotos auftauchen.
Lösung: Trennen Sie das Portfolio nach Auftragsart, jede mit eigener Seite. Pro Seite zwanzig bis vierzig Bilder, die Sie heute noch genauso machen würden. Erzählen Sie bei Hochzeiten einen ganzen Tag in Bildern, nicht nur die besten Einzelmomente: Das zeigt Brautpaaren, wie ihr Tag aussehen würde. Ältere Arbeiten, die nicht mehr Ihren Stil zeigen, nehmen Sie heraus. Eine Auswahl ist die erste Arbeitsprobe.
Problem 2: Anfragen ohne Datum, Ort und Art
„Hallo, was kostet eine Hochzeit?“ ist die häufigste Anfrage und die unbrauchbarste. Sie wissen nicht, ob der Termin frei ist, wo gefeiert wird und wie lange Sie gebraucht werden.
Lösung: Ein Anfrageformular, das sich nach der Auftragsart richtet:
- Hochzeit: Datum, Ort der Trauung und Feier, ungefährer Zeitraum (nur Trauung, bis zur Torte, ganzer Tag), Gästezahl grob.
- Business: Anzahl der Personen, Ort (Büro, Studio, draußen), Verwendung (Website, Presse, Social Media).
- Familie: Anzahl Personen, Wunschort, Kinder oder Haustiere dabei.
Das Datum gehört ganz nach oben. Wenn Ihr Kalender bereits belegte Tage kennt, kann das Formular nach Eingabe des Datums anzeigen „Dieser Tag ist leider schon vergeben“, bevor jemand den Rest ausfüllt. Wenn das zu aufwendig ist, reicht eine schnelle, persönliche Antwort, die zuerst die Verfügbarkeit klärt.
Problem 3: Die Preisfrage
Ohne Preis kommen viele Anfragen, die nicht passen. Mit Preis springen manche ab, bevor sie Ihre Arbeit gesehen haben.
Lösung: Entscheiden Sie zwischen drei Wegen und bleiben Sie dabei:
- Pakete mit Preisen – klar, spart Mails, eignet sich für standardisierte Aufträge wie Bewerbungsfotos.
- Preisorientierung – „Hochzeitsreportagen ab …“ und was darin enthalten ist. Gibt eine Größenordnung, ohne jede Variante festzulegen.
- Kein Preis, aber ein klarer Ablauf – „Nach Ihrer Anfrage bekommen Sie innerhalb von zwei Tagen ein Angebot.“ Funktioniert, wenn Ihre Bilder für sich sprechen und Sie schnell antworten.
Wichtig ist nur, dass die Seite ehrlich sagt, wie es nach der Anfrage weitergeht.
Problem 4: Die Übergabe der Bilder
Download-Links, die nach einigen Tagen ablaufen, Bilder in verschiedenen Mails, Nachfragen, welche Bilder für die Danksagungskarten ausgewählt wurden.
Lösung: Private Kundengalerien. Was eine gute Galerie können sollte:
- Zugriffsschutz: Passwort oder ein nicht erratbarer Link.
- Ablaufdatum: Die Galerie bleibt eine festgelegte Zeit online. Sagen Sie das schon bei der Übergabe.
- Auswahl: Kundinnen markieren Favoriten, etwa für die Bearbeitung oder für ein Album.
- Download: einzeln und als Ganzes, in einer Auflösung für Druck und einer für Handy und Social Media.
Wer seine Website mit WordPress betreibt, kann einzelne Seiten mit Passwort schützen. Laut WordPress-Dokumentation (abgerufen November 2026) ist das Passwort auf 20 Zeichen begrenzt, wird im Browser per Cookie gespeichert, und WordPress merkt sich immer nur ein Passwort zur selben Zeit. Für viele Galerien mit unterschiedlichen Passwörtern ist das unpraktisch. Prüfen Sie außerdem, ob nur die Seite geschützt ist oder auch die Bilddateien selbst. Spezialisierte Galerie-Dienste für Fotografen lösen genau diese Punkte und lassen sich von der Website aus verlinken.
Problem 5: Die Seite ist langsam
Große Bilddateien, die direkt aus der Kamera kommen, machen jede Fotografen-Seite langsam, besonders am Handy.
Lösung: Bilder in passenden Größen ausliefern. web.dev beschreibt, wie das Attribut srcset mehrere Bildgrößen anbietet, aus denen der Browser die passende wählt, sodass ein Handy kein Bild für einen großen Monitor lädt. Wie Sie Formate und Größen konkret wählen, ist im Beitrag Bilder für die Website optimieren beschrieben. Für Sie als Fotografin gilt: Exportieren Sie für die Website eigens, nie die Originale hochladen.
Problem 6: Die Bilder werden in Google nicht gefunden
Galerien ohne Text sind für Suchmaschinen schwer einzuordnen.
Lösung: Google Search Central schreibt, dass Google Informationen zum Bildinhalt aus dem Seiteninhalt bezieht, einschließlich Bildbeschriftungen, und empfiehlt kurze, aussagekräftige Dateinamen. Geben Sie jeder Portfolioseite also einen kurzen Text (Art des Shootings, Ort, Besonderheit), benennen Sie Dateien sinnvoll („hochzeit-standesamt-wien-trauung.jpg“ statt „DSC_0423.jpg“) und schreiben Sie Alt-Texte, die beschreiben, was zu sehen ist. Eine Seite pro Location, an der Sie oft fotografieren, kann zusätzlich helfen, wenn Sie dort echte Bilder und Erfahrungen zeigen.
Häufige Fragen
Brauche ich einen Blog als Fotograf?
Nicht zwingend. Einzelne Geschichten zu Hochzeiten oder Shootings, mit Einverständnis der Kunden, sind aber ein guter Weg, um Text zu den Bildern zu bekommen.
Soll ich Instagram statt Website nutzen?
Instagram ist ein Schaufenster, die Website ist der Ort für Anfragen, Preise und Galerien. Beides ergänzt sich.
Wie lange sollten Kundengalerien online bleiben?
So lange, wie Sie es klar zusagen können. Ein festes Ablaufdatum mit Erinnerung kurz davor ist fairer als eine Galerie, die irgendwann einfach verschwindet.
Darf ich Bilder aus Aufträgen im Portfolio zeigen?
Klären Sie das am besten schon im Auftrag mit Ihren Kunden. Bei Hochzeiten und Familien zeigt man im Zweifel nur Bilder, bei denen das Einverständnis ausdrücklich da ist.
Wenn Sie Ihre Fotografen-Seite neu ordnen möchten, zeigen Sie mir gern, was Sie heute haben – ein Blick von außen hilft oft schon.