Ein Freigabebild für bestickte Arbeitskleidung
Bei bestickter Arbeitskleidung entstehen Reklamationen oft nicht wegen der Stickqualität, sondern weil das Motiv an der falschen Stelle oder gedreht sitzt. Ein Freigabebild könnte genau das klären: Wo sitzt das Motiv, in welcher Ausrichtung, an welchem Kleidungsstück? Farben sind ausdrücklich nicht Gegenstand der Freigabe.
Was die Freigabe bestätigt
Die Kundin bestätigt Position, Orientierung und Größenverhältnis des Motivs auf dem gezeigten Kleidungsstück. Sie bestätigt nicht den Farbton, denn Bildschirm, Garn und Stoff können abweichen. Das sollte auf dem Bogen selbst stehen.
Der Ansichts- und Positionierungsbogen
Vorschlag für den Aufbau:
- Ansicht: Vorderseite, Rückseite, bei Bedarf Ärmel, jeweils als eigene Skizze oder Montage.
- Referenzpunkt je Ansicht: zum Beispiel „linke Brust, Kante am Reißverschluss“ oder „Mitte Rücken unter dem Kragen“. Der Bezug wird in Worten und im Bild benannt.
- Abstände: nur angeben, wenn sie wirklich so gefertigt werden, sonst „ungefähr“.
- Orientierung: Pfeil „oben“ am Motiv, damit eine Drehung sichtbar wird.
- Spiegelung: Hinweis, ob links und rechts aus Sicht der tragenden Person gemeint sind.
- Motivgröße: Verhältnis zum Kleidungsstück als Skizze, nicht als Behauptung über die Wirkung am Körper.
- Hinweis ohne Farbgarantie: „Farben dienen nur der Unterscheidung und sind nicht verbindlich.“
- Bestätigungsfeld: Name, Datum, Ansichten einzeln abgehakt.
Verzweigungen
Ist das Kleidungsstück nur in einer Größe bestellt, genügt ein Bogen. Gibt es mehrere Größen oder Schnitte (Damen, Herren), könnte pro Schnitt ein eigener Bogen nötig sein, weil „linke Brust“ nicht überall gleich sitzt. Fehlt ein Referenzpunkt, wäre die Freigabe nicht gültig, es wird nachgefragt. Möchte die Kundin eine Position, die sich vom Muster der übrigen Teile unterscheidet, wird das auf dem Bogen als Ausnahme markiert. Schickt die Kundin ein eigenes Foto als Wunschposition, dient es als Hinweis, nicht als Ersatz für den Bogen.
Hypothetisches Beispiel
Angenommen, eine Schreinerei bestellt Poloshirts und Softshelljacken mit Logo. Der Bogen für das Poloshirt zeigt das Logo links auf der Brust, Referenz „Knopfleiste“, Pfeil „oben“ zum Kragen. Der Bogen für die Jacke zeigt dasselbe Logo am Oberarm und zusätzlich einen Schriftzug auf dem Rücken. Beim Prüfen fällt auf, dass das Logo auf dem Ärmelbild gedreht wirkt. Die Kundin markiert die Orientierung neu, und erst danach wird bestätigt. Der Hinweis zur Farbe steht unverändert auf beiden Bögen.
Stoppbedingungen
- Ein Referenzpunkt fehlt oder ist mehrdeutig.
- Motiv und Kleidungsstück passen nicht zusammen, etwa Motiv größer als die Fläche.
- Die Kundin verlangt Farbübereinstimmung als Bedingung der Freigabe: Freigabe anhalten und das Thema getrennt klären.
- Die Datei des Motivs ist nicht eindeutig lesbar oder zeigt widersprüchliche Versionen.
Praktische Abnahme
Bevor der Bogen verschickt wird, könnte jemand Unbeteiligtes prüfen:
- Kann er aus dem Bogen allein sagen, wo das Motiv sitzt und wohin es zeigt?
- Stimmen Ansicht, Schnitt und Bestellposition überein?
- Steht der Farbhinweis sichtbar auf jedem Bogen?
- Ist jede Ansicht einzeln bestätigt, nicht pauschal?
- Entspricht der Bogen dem, was später in der Fertigung als Vorlage dient?
So bleibt die Freigabe klein, prüfbar und frei von Versprechen, die der Bogen nicht halten kann.