Freigabe pro Baustein: Titel, Text und Illustration getrennt abnehmen
Wenn ein Artikel als Ganzes „freigegeben“ ist, bleibt unklar, was genau geprüft wurde. Ändert jemand später den Text, gilt dann der Titel noch? Und die Illustration? Dieser Artikel schlägt eine Freigabematrix vor, die jeden Baustein getrennt führt und Abhängigkeiten ausdrücklich nennt. Es ist ein bedingter Gestaltungsvorschlag für redaktionelle Abläufe auf Unternehmensseiten.
Das Artefakt: die Freigabematrix
Eine Zeile je Baustein, mit diesen Spalten:
- Baustein: Titel, Text, Illustration
- Fassung: eine einfache Nummer, die bei jeder inhaltlichen Änderung steigt
- Status: offen, freigegeben, wieder geöffnet
- Freigegeben für Fassung: die Nummer, die tatsächlich geprüft wurde
- Freigebende Rolle: eine Rolle, kein Name, falls Namen nicht erfasst werden sollen
- Abhängig von: welche anderen Bausteine die Freigabe berühren können
Eine Freigabe gilt nur, solange „Fassung“ und „Freigegeben für Fassung“ übereinstimmen.
Entscheidungszweige
Zweig 1, unabhängige Änderung: Eine Korrektur betrifft nur einen Baustein und verändert keine Aussage, auf die sich andere stützen, etwa ein Tippfehler im Text. Nur dieser Baustein wird wieder geöffnet.
Zweig 2, abhängige Änderung: Der Text ändert eine Kernaussage, die der Titel verspricht. Dann wird der Text wieder geöffnet, und der Titel erhält eine Prüfung auf Übereinstimmung. Er wird erst nach dieser Prüfung wieder freigegeben oder angepasst.
Zweig 3, Illustration mit Textbezug: Zeigt die Illustration etwas, das der Text benennt (etwa eine Abfolge oder ein Beispiel), wird sie bei inhaltlichen Textänderungen mitgeprüft. Bei reinen Formulierungsänderungen nicht.
Zweig 4, Veröffentlichungstor: Veröffentlicht wird nur, wenn alle drei Bausteine freigegeben sind und die Fassungsnummern übereinstimmen.
Durchgespieltes Beispiel (frei erfunden)
Ausgangslage: Titel Fassung 2, Text Fassung 3, Illustration Fassung 1. Alle drei sind für ihre aktuelle Fassung freigegeben, also drei von drei.
Änderung A: Im Text wird ein Tippfehler korrigiert. Der Text steigt auf Fassung 4 und ist wieder offen. Titel und Illustration bleiben freigegeben, weil sich keine Aussage änderte. Stand: zwei von drei freigegeben, Veröffentlichungstor geschlossen, bis der Text neu freigegeben ist.
Änderung B, stattdessen: Im Text ändert sich die Kernaussage, die der Titel verspricht, und das Beispiel, das die Illustration zeigt. Der Text steigt auf Fassung 4 und ist offen. Titel und Illustration werden wieder geöffnet, weil beide inhaltlich berührt sind. Stand: null von drei freigegeben. Der Titel bleibt trotzdem Fassung 2, falls er unverändert passt, braucht aber eine neue Freigabe für diese Prüfung.
Die beiden Änderungen zeigen, dass die Matrix keine feste Regel braucht, wohl aber eine ausdrückliche Entscheidung, ob eine Änderung abhängig oder unabhängig ist. Diese Entscheidung trifft eine benannte Rolle und trägt sie in die Matrix ein.
Abbruchbedingungen
Halten Sie die Veröffentlichung an, wenn:
- niemand entscheiden kann oder will, ob eine Änderung abhängig war,
- ein Baustein nach der Freigabe geändert wurde, ohne dass die Fassungsnummer stieg,
- Titel oder Illustration eine Aussage machen, die der aktuelle Text nicht mehr trägt,
- die freigebende Rolle den Baustein nicht selbst gesehen hat, sondern nur eine Beschreibung davon.
Vorgeschlagene Abnahmetests (nicht durchgeführt)
Diese Tests sind Vorschläge. Im Beispiel wurde nichts ausgeführt.
- Jede Zeile hat Fassung und „Freigegeben für Fassung“. Das Veröffentlichungstor prüft den Vergleich und nicht nur den Statuswert.
- Eine Änderung im Text setzt dessen Status auf offen, ohne dass die anderen Zeilen sich still verändern.
- Eine als abhängig eingestufte Änderung öffnet Titel oder Illustration ausdrücklich wieder.
- Ein Versuch, mit einer offenen Illustration zu veröffentlichen, wird abgewiesen und zeigt den Grund.
- Ein Lesetest durch eine Person, die nur die Matrix sieht: Kann sie sagen, welche Fassung jedes Bausteins veröffentlicht werden soll?
- Die Matrix zeigt nach Änderung B null von drei und nach Änderung A zwei von drei.
Einordnung
Die Matrix ersetzt kein Urteil, sie macht es sichtbar. Sie sagt nicht, ob ein Text gut ist, sondern welche Fassung wer gesehen hat. Das reicht, um spätere Nachfragen zu beantworten und um zu verhindern, dass eine Freigabe für eine Fassung stillschweigend auf eine andere übertragen wird.