Mehr Google-Bewertungen: ein fairer Ablauf nach jedem Auftrag
Kurz gesagt: Mehr Google-Bewertungen entstehen nicht durch eine einmalige Aktion, sondern durch einen kleinen, festen Ablauf: Bewertungslink anlegen, jeden Kunden zum gleichen Zeitpunkt nach dem Auftrag fragen, einmal freundlich erinnern – und dann in Ruhe lassen. Entscheidend ist, dass Sie alle Kunden fragen, nicht nur die zufriedenen, und nichts dafür anbieten. Beides schließen die Google-Richtlinien ausdrücklich aus.
Viele Betriebe in Österreich haben dasselbe Muster: ein paar Bewertungen aus dem Eröffnungsjahr, danach lange nichts. Das liegt selten an unzufriedenen Kunden. Es liegt daran, dass niemand fragt – oder dass nur dann gefragt wird, wenn gerade jemand daran denkt. Ein Ablauf, der nach jedem Auftrag gleich abläuft, löst genau das.
Vorbereitung: der Link, der alles einfacher macht
Bevor Sie irgendjemanden fragen, brauchen Sie einen direkten Bewertungslink. Laut Google-Hilfe (abgerufen November 2026) rufen Sie dafür Ihr Unternehmensprofil auf, wählen bei den Rezensionen „Mehr Rezensionen erhalten“ und kopieren den Link. Im selben Fenster gibt es einen QR-Code, den Sie per Rechtsklick als Bild speichern. Einen Haken hat das: QR-Codes für Rezensionen lassen sich derzeit nur im Browser am Computer erzeugen, nicht am Handy.
Legen Sie den Link an drei Stellen ab, an denen ihn das ganze Team findet:
- als Textbaustein im E-Mail-Programm oder in der Vorlage für Rechnungs-E-Mails,
- im Kassensystem oder auf dem Beleg, falls Ihr System Fußzeilen erlaubt,
- als ausgedruckter QR-Code dort, wo Kunden ohnehin warten oder zahlen.
Ein Detail, das Rückfragen erspart: Wer eine Rezension schreiben will, muss in einem Google-Konto angemeldet sein. Die Google-Hilfe weist darauf hin, dass dafür auch eine Adresse funktioniert, die nicht von Gmail ist. Das können Sie Kunden, die zögern, so weitersagen.
Die Zeitleiste nach dem Kundenkontakt
Tag 0: der Auftrag ist erledigt
Der beste Moment ist der, in dem das Ergebnis sichtbar ist: die Therme läuft wieder, der Haarschnitt sitzt, die Küche ist montiert. Hier reicht ein Satz im Gespräch: „Wenn Sie zufrieden waren, freuen wir uns über eine kurze Bewertung auf Google – ich schicke Ihnen den Link.“
Wichtig ist, was danach nicht passiert. Die Google-Richtlinien zu Nutzerbeiträgen untersagen, Kunden vor Ort zum Bewerten aufzufordern oder sie dabei unter Druck zu setzen. Also kein Tablet über die Theke reichen und daneben stehen bleiben. Ein Hinweis im Gespräch, der Link kommt später – das ist der saubere Weg.
Tag 1: die Nachricht mit dem Link
Am Tag danach kommt die eigentliche Bitte, schriftlich. Per E-Mail oder SMS, je nachdem, wie Sie mit dem Kunden ohnehin kommunizieren. Die Google-Hilfe nennt selbst Dankeschön-E-Mails, Belege, das Ende eines Chats sowie WhatsApp-Nachrichten als passende Kanäle.
Eine gute Nachricht ist kurz:
Danke, dass Sie uns beauftragt haben. Wenn Sie zwei Minuten haben: Ihre ehrliche Bewertung hilft anderen bei der Entscheidung. [Link]
Kein Rabattcode im Anhang, keine Vorgabe, was drinstehen soll, kein „5 Sterne wären super“. Auch das untersagen die Richtlinien: Händler dürfen nicht verlangen, dass bestimmte Inhalte in der Rezension vorkommen.
Tag 7: eine einzige Erinnerung
Wer nach einer Woche nicht reagiert hat, bekommt genau eine Erinnerung, gern kürzer als die erste Nachricht. Danach ist Schluss. Eine dritte Nachricht kostet mehr Sympathie, als die Bewertung wert ist.
Ab Tag 8: Antworten und auswerten
Neue Bewertungen beantworten Sie innerhalb weniger Tage. Laut Google-Hilfe werden Rezensionen vor der Veröffentlichung geprüft, was einige Tage dauern kann – eine fehlende Bewertung ist also nicht sofort ein Grund zur Sorge. Einmal im Monat lohnt ein Blick: Wie viele Kunden wurden gefragt, wie viele haben bewertet? Das zeigt, ob der Ablauf im Alltag wirklich läuft.
Automatisieren, ohne aufdringlich zu werden
Der Ablauf funktioniert erst dann zuverlässig, wenn er nicht mehr vom Gedächtnis abhängt. Die meisten Betriebe haben bereits einen Auslöser im System: Rechnung gestellt, Termin abgeschlossen, Auftrag im Tool auf „erledigt“ gesetzt. An diesen Auslöser lässt sich die Nachricht von Tag 1 hängen, mit einer Wartezeit dazwischen.
Was ein einfacher Automatisierungs-Workflow dafür braucht:
- Ein Ereignis, das „Auftrag fertig“ eindeutig markiert.
- Name und Kontaktweg des Kunden – E-Mail oder Handynummer – sowie die Information, ob er Nachrichten von Ihnen bekommen möchte.
- Eine Wartezeit von einem Tag, dann die Nachricht mit Link.
- Eine zweite Wartezeit bis Tag 7 und eine Prüfung, ob die Erinnerung noch nötig ist. Wer bereits geantwortet oder sich beschwert hat, bekommt keine Erinnerung.
- Ein Stopp-Feld, damit niemand dieselbe Bitte für mehrere Aufträge mehrfach bekommt.
Ob das in Ihrer Branchensoftware, in einem CRM oder mit einem Automatisierungstool wie Make oder Zapier läuft, ist zweitrangig. Wichtiger ist, dass jeder Kunde die gleiche Nachricht zum gleichen Zeitpunkt bekommt – nicht nur jene, bei denen der Chef ein gutes Gefühl hatte.
Das Team einbinden
Im Gespräch an Tag 0 sind meist nicht Sie selbst, sondern Ihre Mitarbeiter. Erklären Sie ihnen den Ablauf in fünf Minuten und geben Sie ihnen den einen Satz mit. Was Sie dabei vermeiden sollten, steht ebenfalls in den Richtlinien: Mitarbeiter dürfen nicht angewiesen werden, eine bestimmte Anzahl von Bewertungen einzusammeln oder um Rezensionen zu bitten, in denen sie namentlich erwähnt werden. Ein Wettbewerb „wer bekommt diesen Monat die meisten Sterne“ ist deshalb keine gute Idee.
Auch Bewertungen vom Team selbst, von Familienmitgliedern oder von befreundeten Betrieben fallen laut Google unter Interessenkonflikte und werden entfernt.
Die Verbotsliste auf einen Blick
Laut den Google-Richtlinien zu Nutzerbeiträgen und der Unternehmensprofil-Hilfe (abgerufen November 2026) ist Folgendes nicht erlaubt:
- Anreize jeder Art: Geld, Rabatte, Gratisprodukte oder kostenlose Leistungen für eine Bewertung – oder dafür, eine negative Bewertung zu ändern oder zu löschen.
- Selektives Fragen: nur zufriedene Kunden um eine Bewertung bitten oder unzufriedene davon abhalten. Ein vorgeschaltetes „Waren Sie zufrieden? Ja → Google, Nein → internes Formular“ läuft auf genau dieses gezielte Aussieben hinaus.
- Druck vor Ort: Kunden im Geschäft zum sofortigen Bewerten drängen.
- Inhaltsvorgaben: bestimmte Formulierungen, Sterne oder Mitarbeiternamen verlangen.
- Quoten für Mitarbeiter: Vorgaben, wie viele Bewertungen jemand sammeln muss.
- Eigene und befangene Rezensionen: vom Team, von Verwandten, von Konkurrenten.
Stellt Google Verstöße fest, kann es laut eigener Hilfe die betroffenen Rezensionen entfernen, für eine gewisse Zeit keine neuen Bewertungen zulassen oder im Profil einen Hinweis einblenden, dass gefälschte Rezensionen gelöscht wurden. Ein solcher Hinweis wirkt auf Interessenten weit schlechter als ein paar Bewertungen weniger.
Häufige Fragen
Darf ich auch unzufriedene Kunden um eine Bewertung bitten?
Ja – Sie sollen sogar. Wer alle fragt, bleibt innerhalb der Richtlinien, und die Google-Hilfe hält selbst fest, dass eine Mischung aus positivem und negativem Feedback oft vertrauenswürdiger wirkt. Eine sachliche Antwort auf eine kritische Bewertung überzeugt Mitlesende häufig mehr als eine weitere Fünf-Sterne-Wertung.
Warum taucht eine Bewertung nicht auf, obwohl der Kunde sie geschrieben hat?
Rezensionen werden laut Google vor der Anzeige geprüft, das kann einige Tage dauern. Bei Kunden mit älteren Smartphones empfiehlt die Google-Hilfe, die Maps-App zu aktualisieren. Rezensionen, die wegen Richtlinienverstößen entfernt wurden, kommen nicht zurück.
Kann ich den QR-Code auf meine Visitenkarten drucken?
Technisch ja. Praktisch funktioniert er am besten dort, wo Kunden nach dem Auftrag sind: auf dem Beleg, der Rechnung oder einem Kärtchen, das Sie bei der Übergabe mitgeben. Auf einer Visitenkarte, die vor dem Auftrag verteilt wird, fragen Sie zu früh.
Wie viele Bewertungen sind „genug“?
Eine feste Zahl gibt Google nicht an. Hilfreicher als ein Ziel ist ein gleichmäßiger Fluss: regelmäßig neue, aktuelle Bewertungen zeigen Interessenten, dass der Betrieb heute so arbeitet, wie die Rezensionen es beschreiben.
Wenn Sie die Bitte nach dem Auftrag an Ihr Kassen- oder Auftragssystem koppeln möchten, schaue ich mir gern an, wo der passende Auslöser bei Ihnen sitzt – schreiben Sie mir einfach.