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KI-Texte vor der Veröffentlichung prüfen: eine Arbeitsroutine

Kurz gesagt: KI-Entwürfe sparen Zeit beim Schreiben, verschieben die Arbeit aber zum Prüfen. Eine feste Routine in acht Schritten – Zweck klären, Fakten markieren, Zahlen belegen, Betriebsangaben abgleichen, Sprache anpassen, Doppelungen kürzen, Metadaten kontrollieren, Freigabe durch eine zweite Person – fängt die typischen Fehler zuverlässig ab. Wichtig ist, dass jemand prüft, der den Betrieb kennt: Die gefährlichsten Fehler klingen plausibel.

Google formuliert es in seinem Leitfaden zu generativen KI-Inhalten (abgerufen November 2026) nüchtern: Generative Modelle rufen keine Fakten ab, sondern sagen anhand ihrer Trainingsdaten eine wahrscheinliche Wortfolge vorher; deshalb können Ausgaben Fehler enthalten, und alle KI-generierten Inhalte sollten vor der Veröffentlichung manuell auf Richtigkeit und Vertrauenswürdigkeit geprüft werden. Das gilt laut demselben Leitfaden auch für Metadaten wie Seitentitel und Alternativtexte von Bildern. Die folgende Routine macht aus diesem Satz einen Ablauf, den ein kleines Team tatsächlich durchhält.

Die Prüfliste in acht Schritten

1. Zweck und Leser festhalten, bevor Sie lesen

Notieren Sie in einem Satz, wofür der Text da ist: „Leistungsseite Badsanierung für Hausbesitzer in Graz-Umgebung, Ziel: Anfrage über das Formular“. Ohne diesen Satz bewerten Sie nur, ob der Text „gut klingt“ – und KI-Texte klingen fast immer gut.

2. Alle Tatsachenbehauptungen markieren

Gehen Sie den Text einmal durch und markieren Sie jede Aussage, die stimmen oder nicht stimmen kann: Zahlen, Jahreszahlen, Namen, Produktbezeichnungen, Fristen, Vergleiche, Aussagen über Förderungen, Normen oder Marktentwicklungen. Alles andere – Meinungen, Beschreibungen, Übergänge – ist für diesen Schritt egal. Erst wenn die Markierungen stehen, prüfen Sie.

3. Jede Zahl braucht eine Quelle oder fliegt raus

Für jede markierte Zahl gilt: Entweder Sie finden sie auf einer Seite, die Sie selbst geöffnet haben, oder sie wird gestrichen. Eine Quellenangabe, die die KI selbst mitliefert, ersetzt diesen Schritt nicht – öffnen Sie den Link und suchen Sie die Zahl auf der Seite. Formulierungen wie „Studien zeigen“ oder „Experten empfehlen“ ohne konkrete Quelle streichen Sie ebenfalls.

4. Betriebsangaben gegen die Wirklichkeit halten

Öffnungszeiten, Einzugsgebiet, Leistungen, Marken, mit denen Sie arbeiten, Anzahl der Mitarbeitenden, Gründungsjahr: Die KI kennt Ihren Betrieb nur aus dem, was Sie ihr gegeben haben, und füllt Lücken gern auf. Vergleichen Sie jede dieser Angaben mit Ihrem Google-Unternehmensprofil und der Kontaktseite. Ein Text, der „seit über 20 Jahren“ behauptet, obwohl der Betrieb 2015 gegründet wurde, ist kein Stilproblem.

5. Sprache und Ton auf Österreich stellen

Viele KI-Werkzeuge schreiben standardmäßig bundesdeutsch. Für eine Website in Österreich heißt das: Januar statt Jänner, Tomaten statt Paradeiser, Sahne statt Schlagobers, Treppe statt Stiege, Abitur statt Matura. Legen Sie sich eine kurze Liste Ihrer Branchenwörter an und lassen Sie sie bei jedem Text gezielt suchen. Prüfen Sie auch die Anrede: Wenn Ihre Website „Sie“ verwendet, darf der Blogtext nicht plötzlich duzen.

6. Doppelungen und Füllsätze streichen

KI-Entwürfe sagen vieles zweimal: einmal in der Einleitung, einmal im Hauptteil, einmal im Schluss. Lesen Sie jeden Absatz mit der Frage „Was erfährt die Leserin hier, was sie vorher noch nicht wusste?“. Wenn die Antwort „nichts“ ist, fliegt der Absatz raus. Googles Fragen für hilfreiche Inhalte sind dafür ein guter Maßstab, etwa ob der Inhalt über das Offensichtliche hinausgeht und ob er einen deutlichen Mehrwert gegenüber anderen Seiten bietet.

7. Titel, Beschreibung, Alt-Texte und Links prüfen

Auch die unsichtbaren Teile stammen oft aus der KI: Seitentitel, Meta-Beschreibung, Alternativtexte für Bilder, Linktexte. Prüfen Sie, ob der Titel beschreibt, was auf der Seite steht, und nicht übertreibt; ob Alt-Texte wirklich zeigen, was auf dem Bild ist; ob jeder Link funktioniert und dorthin führt, wo er hinführen soll. Erfundene oder veraltete Links gehören zu den häufigsten Fehlern.

8. Freigabe durch eine zweite Person

Wer den Entwurf bearbeitet hat, ist betriebsblind. Eine zweite Person liest den fertigen Text am Handy, so wie ihn Kunden lesen, und gibt ihn frei. Notieren Sie Datum und Namen der Freigabe – etwa in einer einfachen Tabelle mit allen Seiten. Dann wissen Sie in einem Jahr, welche Texte geprüft wurden und welche Sie wieder ansehen sollten.

Typische KI-Fehler, an Beispielen

Die folgenden Beispiele sind konstruiert, entsprechen aber Mustern, die in Entwürfen immer wieder auftauchen.

Die plausible Zahl. „Rund 70 Prozent der Kunden informieren sich vor dem Kauf online.“ Klingt nach Statistik, hat aber keine Quelle. Lösung: streichen oder durch eine Aussage ersetzen, die Sie selbst belegen können, etwa „Viele unserer Anfragen kommen über das Kontaktformular“.

Die erfundene Leistung. Eine Tischlerei, die keine Küchen montiert, liest im Entwurf „Von der Planung bis zur Montage Ihrer neuen Küche“. Die KI hat aus „Tischlerei“ auf typische Leistungen geschlossen.

Der falsche Ort. „Ihr Partner im Herzen von Wien“ für einen Betrieb in Mödling, oder ein Bezirk, der zur Postleitzahl nicht passt.

Die überholte Funktion. Anleitungen zu Software, Plattformen oder Google-Diensten beschreiben oft einen älteren Stand. Menüpunkte, Produktnamen und Abläufe immer gegen die aktuelle Hilfeseite des Anbieters prüfen.

Der Tonbruch. Ein Absatz klingt wie Prospektwerbung („erstklassige Qualität, die begeistert“), der nächste wie ein Lexikon. Lösung: Ein Satz Stilvorgabe am Anfang jedes Auftrags an die KI und ein Durchgang nur auf Ton.

Der Ratschlag außerhalb Ihrer Kompetenz. Ein Blogtext über Dachsanierung, der nebenbei Aussagen zu Förderungen, Versicherungen oder Vorschriften trifft. Solche Sätze entweder mit Quelle absichern oder streichen und auf die zuständige Stelle verweisen.

Die doppelte Seite. Wenn Sie für fünf Orte fünf Leistungsseiten generieren lassen, unterscheiden sie sich oft nur im Ortsnamen. Google fragt in seinen Leitlinien ausdrücklich, ob Inhalte massenhaft produziert wurden und einzelnen Seiten wenig Sorgfalt gewidmet wird.

Häufige Fragen

Sollte ich dazuschreiben, dass ein Text mit KI entstanden ist?

Google empfiehlt im Leitfaden, Lesern Kontext zu geben, wie ein Inhalt erstellt wurde, wenn das für die Zielgruppe sinnvoll ist. Bei einem Text, den Sie gründlich überarbeitet und freigegeben haben, ist das vor allem eine Frage Ihrer eigenen Linie. Ob in Ihrem Fall darüber hinaus Vorgaben gelten, klären Sie am besten im Einzelfall.

Kann ich die Prüfung nicht auch von einer zweiten KI machen lassen?

Als Vorprüfung ja – etwa um Doppelungen, bundesdeutsche Begriffe oder lange Sätze zu finden. Für Fakten und Betriebsangaben nicht: Ein zweites Modell kann denselben Fehler plausibel bestätigen.

Wie lange dauert die Routine pro Text?

Das hängt von Länge und Faktendichte ab. Ein Leistungstext mit wenigen Tatsachenbehauptungen ist schneller geprüft als ein Ratgeber mit vielen Zahlen. Wenn die Prüfung regelmäßig länger dauert als das Schreiben selbst, ist der Auftrag an die KI zu offen formuliert.

Was gebe ich der KI mit, damit weniger zu prüfen ist?

Ihre echten Betriebsdaten, eine Liste der Leistungen, die Sie anbieten und nicht anbieten, Ihre Wortliste fürs österreichische Deutsch und die Anweisung, keine Zahlen ohne Quelle zu nennen. Das reduziert den Prüfaufwand, ersetzt ihn aber nicht.

Wenn Sie für Ihr Team eine feste Vorlage und einen Freigabeablauf für KI-Texte aufsetzen möchten, gehe ich das gern mit Ihnen durch – Nachricht genügt.

Quellen

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