Mehr Anfragen über die Website: die Kontaktseite richtig bauen
Kurz gesagt: Eine Kontaktseite bringt mehr Anfragen, wenn sie drei Fragen sofort beantwortet: Wie erreiche ich Sie am schnellsten, wann höre ich zurück, und was passiert danach? Bieten Sie zwei bis drei passende Wege an (Formular, Telefon, Terminbuchung oder Messenger), nennen Sie eine realistische Antwortzeit und messen Sie jede abgeschickte Anfrage als Schlüsselereignis. Ob die Änderungen wirken, zeigen Ihre eigenen Zahlen, nicht pauschale Branchenquoten.
Warum die Kontaktseite oft Anfragen verliert
Die Kontaktseite ist meist die letzte Seite vor der Entscheidung. Wer hier landet, ist interessiert, aber noch nicht festgelegt. Typische Bremsen:
- Unklarer nächster Schritt. Ein Formular ohne Hinweis, was danach passiert, wirkt wie ein Briefkasten ohne Leerungszeiten.
- Nur ein Kanal. Wer lieber anruft, findet keine Nummer; wer nicht telefonieren will, findet kein Formular.
- Kein Gesicht. Eine anonyme Seite fühlt sich nach Callcenter an, auch wenn ein Zwei-Personen-Betrieb dahintersteht.
- Formular als Hürde. Pflichtfelder für Dinge, die erst im Gespräch wichtig werden.
Die folgende Checkliste zeigt für jeden Punkt das typische Vorher und ein besseres Nachher.
Vorher-nachher-Checkliste
1. Überschrift und Einleitung
- Vorher: „Kontakt“
- Nachher: „Schreiben Sie uns, wir melden uns heute noch“ oder „Erstgespräch vereinbaren: kostenlos, 20 Minuten“
Die Überschrift darf ein Versprechen enthalten, solange Sie es halten.
2. Kontaktwege
- Vorher: Nur ein Formular, oder nur eine E-Mail-Adresse.
- Nachher: Zwei bis drei Wege, nach Dringlichkeit geordnet:
- Telefon für Dringendes, mit Erreichbarkeitszeiten und auf dem Handy direkt anwählbar
- Formular für Anfragen mit Details
- Terminbuchung für Beratungsleistungen
- Messenger wie WhatsApp, wenn Ihre Kundschaft das nutzt und Sie es betreuen können
Bieten Sie nur Kanäle an, die Sie verlässlich beantworten. Ein Chat, der tagelang unbeantwortet bleibt, schadet mehr als kein Chat. Wer einen Messenger anbietet, nimmt ihn auch in die Datenschutzerklärung auf.
3. Antwortzeit
- Vorher: Keine Angabe.
- Nachher: „Wir antworten werktags innerhalb von 24 Stunden.“ oder „Anfragen bis 15 Uhr beantworten wir am selben Tag.“
Ein konkretes Versprechen beruhigt. Wählen Sie eines, das Sie auch in der Ferienzeit einhalten, und richten Sie eine Abwesenheitsnotiz ein, wenn nicht.
4. Was nach der Anfrage passiert
- Vorher: Nach dem Absenden: „Vielen Dank.“
- Nachher: Eine Bestätigungsseite mit den nächsten Schritten: „Sie erhalten eine Kopie per E-Mail. Frau Muster ruft Sie bis morgen an. Bitte halten Sie Fotos der Situation bereit.“
Diese Bestätigungsseite ist zugleich der beste Ort, die Anfrage zu messen (siehe unten).
5. Menschen zeigen
- Vorher: Stockfoto eines Headsets.
- Nachher: Foto und Name der Person, die die Anfragen beantwortet, mit einem Satz zur Rolle.
6. Formular schlank halten
- Vorher: Anrede, Titel, Firma, Straße, PLZ, Ort, Land, Telefon, Mobil, Fax, E-Mail, Betreff, Nachricht, Wie haben Sie uns gefunden?
- Nachher: Name, ein Kontaktweg, ein Freitextfeld, eventuell eine Auswahl „Worum geht es?“
Jedes Feld kostet Aufmerksamkeit. Fragen Sie im Formular nur, was Sie für die erste Antwort brauchen. Alles Weitere klärt das Gespräch.
7. Erwartungen klären
- Vorher: Keine Angaben zu Kosten oder Ablauf.
- Nachher: Kurze Hinweise wie „Erstgespräch kostenlos“, „Projekte ab etwa …“ (nur wenn Sie das kommunizieren wollen), „Wir arbeiten in folgenden Regionen …“
Klare Rahmen filtern unpassende Anfragen und ermutigen passende.
8. Pflichtangaben und Vertrauen
- Vorher: Adresse und Telefonnummer nur im Impressum versteckt.
- Nachher: Adresse, Telefon und E-Mail auch auf der Kontaktseite, dazu ein Kartenausschnitt oder eine Wegbeschreibung, wenn Kunden vorbeikommen.
In Deutschland verlangt § 5 DDG im Impressum ohnehin Angaben, die eine schnelle elektronische Kontaktaufnahme ermöglichen, einschließlich der E-Mail-Adresse. Österreich und die Schweiz kennen eigene Vorgaben. Ein Formular allein ersetzt diese Angaben nicht.
9. Erreichbarkeit von überall
- Vorher: Kontakt nur über das Menü erreichbar.
- Nachher: Ein Kontakt-Button in der Kopfzeile jeder Seite, auf dem Handy dauerhaft sichtbar.
Erfolg messen, ohne zu raten
Ohne Messung bleibt jede Änderung ein Gefühl. So messen Sie Anfragen sauber:
- Ein Ereignis pro Anfrage. Google empfiehlt für erste Lead-Erfassungen wie Formulareinsendungen das Ereignis
generate_lead. - Als Schlüsselereignis markieren. In Google Analytics heißen wichtige Ereignisse heute „Schlüsselereignisse“; „Conversion“ meint die Aktionen, mit denen Sie Werbekampagnen messen.
- Anrufe und Klicks auf Messenger-Links als eigene Ereignisse erfassen, zumindest den Klick auf die Nummer.
- Einwilligung beachten. Analyse-Cookies brauchen je nach Land und Einsatz eine Einwilligung. Rechnen Sie damit, dass Sie nicht jede Anfrage im Tool sehen, und zählen Sie zusätzlich im Posteingang.
- Vorher-nachher vergleichen. Halten Sie fest, wann Sie was geändert haben, und vergleichen Sie gleich lange Zeiträume. Saisonale Schwankungen beachten.
Die wichtigste Kennzahl ist oft nicht die Zahl der Anfragen, sondern die der passenden Anfragen. Notieren Sie für ein paar Wochen, welche Anfrage zu einem Auftrag wurde.
Häufige Fragen
Soll ich meine E-Mail-Adresse wegen Spam verstecken?
Nein, in Deutschland gehört sie ohnehin ins Impressum. Gegen Spam im Formular helfen unsichtbare Prüffelder oder ein datenschutzfreundliches Prüfverfahren besser als ein Verstecken.
Ist WhatsApp als Kontaktweg sinnvoll?
Wenn Ihre Kundschaft es nutzt und Sie es betreuen, ja. Klären Sie aber vorher den Datenschutz und nutzen Sie ein Geschäftskonto statt eines privaten Handys.
Wie viele Kontaktwege sind zu viele?
Wenn Besucher erst überlegen müssen, welchen Weg sie wählen sollen. Zwei bis drei klar beschriebene Wege sind für die meisten Unternehmen genug.
Wenn Sie Ihre Kontaktseite überarbeiten möchten, schauen wir sie gemeinsam an; eine kurze Nachricht über die Anfrageseite reicht.