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Kreisdiagramm im Dashboard: Bilden die Kategorien wirklich ein gemeinsames Ganzes?

Ein Kreisdiagramm ist sinnvoll, wenn seine Segmente Teile einer einzigen vollständigen Gesamtheit darstellen. Unabhängige Quoten, unvollständige Daten oder überlappende Mehrfachauswahlen passen nicht automatisch in einen Kreis. Entscheiden Sie deshalb zuerst, was das Ganze ist und ob jeder berücksichtigte Eintrag genau einem Segment zugeordnet wird.

Die Frage betrifft nicht nur das Aussehen. Ein Diagramm kann korrekte Einzelzahlen enthalten und durch seine Kreisform trotzdem einen falschen Zusammenhang nahelegen. Für die Beauftragung einer Berichts-App gehört die fachliche Grundlage deshalb vor die Farbauswahl.

Ein gemeinsamer Nenner muss erkennbar sein

Das Service Manual des britischen Office for National Statistics beschreibt Kreis- und Ringdiagramme als Darstellung von Teilen, die eine einzelne Gesamtsumme bilden. Ein Ringdiagramm mit ausgesparter Mitte löst also keine andere fachliche Aufgabe als ein Kreis.

Nennen Sie im Briefing die zugrunde liegende Menge und den Zeitraum. „Verteilung der abgeschlossenen Aufträge nach einer eindeutig vergebenen Abschlusskategorie“ ist eine prüfbare Beschreibung. „Unser Geschäft in Prozent“ ist es nicht.

Prüfen Sie anschließend die Zuordnung. Können dieselben Aufträge in mehreren Segmenten vorkommen? Fehlt eine Kategorie? Werden stornierte oder noch offene Vorgänge bewusst ausgeschlossen, und stimmt die Beschriftung dann noch mit der betrachteten Menge überein? Diese Zuordnungsentscheidungen sind fachliche Projektregeln, die Sie festlegen müssen.

Mehrfachauswahl ist nicht automatisch eine Aufteilung

Die ONS-Anleitung rät ausdrücklich davon ab, Kreisdiagramme für Daten zu verwenden, die mehr als 100 Prozent ergeben können. Als Beispiel nennt sie Umfragen, bei denen mehrere Optionen auswählbar sind.

Ein erfundenes Rechenbeispiel verdeutlicht das: Von 100 Antwortenden wählen 60 eine Option und 50 eine andere. Wenn beide Optionen gemeinsam wählbar waren, können beide Zahlen korrekt sein. Als Anteile derselben 100 Antwortenden ergeben sie zusammen 110 Prozent. Das bedeutet nicht automatisch einen Erfassungsfehler, sondern möglicherweise überlappende Auswahlgruppen.

Ein Kreis, der die beiden Zahlen auf seine Fläche verteilt, würde eine andere Frage beantworten: den Anteil an allen gezählten Auswahlen statt den Anteil an den Antwortenden. Diese Umdeutung darf nicht unbemerkt geschehen. Entscheiden und beschriften Sie die Bezugsgröße ausdrücklich. Häufig ist eine andere Darstellung für die ursprünglich gestellte Frage geeigneter.

Mehrere Optionen innerhalb einer Antwort sind dabei etwas anderes als mehrere abgegebene Antworten derselben Person. Beide Regeln können das Ergebnis beeinflussen und müssen getrennt definiert sein.

Unabhängige Quoten gehören nicht zusammen in einen Kreis

ONS nennt auch Quoten verschiedener Gruppen als ungeeignet, etwa Arbeitslosenquoten unterschiedlicher Altersgruppen. Jede Gruppe besitzt ihren eigenen Nenner; die Quoten sind nicht einzelne Stücke einer gemeinsamen Gesamtquote.

Übertragen Sie diesen Prüfgedanken auf Ihr Dashboard. Wenn mehrere Teams jeweils einen eigenen Erfüllungsanteil haben, sind diese Prozentsätze nicht schon deshalb Teile eines Ganzen, weil dieselbe Einheit Prozent hinter ihnen steht. Beauftragen Sie einen Vergleich, der die eigenständigen Gruppen erkennbar lässt, statt sie zu einem vermeintlichen Gesamtbudget zusammenzusetzen.

Die passende Darstellung hängt von der tatsächlichen Frage ab. Die ONS-Seite ist Gestaltungsanleitung, keine Aussage darüber, welche Daten Ihr Unternehmen bereits korrekt erfasst.

Fehlende Teile nicht aus der Gesamtheit verschwinden lassen

Die Anleitung rät ebenfalls von Kreisdiagrammen ab, wenn Teile der Gesamtheit fehlen. Ein optisch geschlossener Kreis vermittelt sonst Vollständigkeit, obwohl nur die verfügbaren Werte gezeigt werden.

Legen Sie fest, was bei fehlender Zuordnung oder unvollständiger Übernahme geschieht. Ist „nicht zugeordnet“ ein ehrlicher, fachlich sinnvoller Bestandteil der bekannten Gesamtheit? Oder ist die Datengrundlage so unvollständig, dass die Aufteilung nicht veröffentlicht werden sollte? Das muss die Berichtsdefinition klären.

Eine kleine Kategorie „Sonstige“ kann dagegen bewusst mehrere bekannte Kategorien zusammenfassen. ONS schlägt diese Möglichkeit vor, um die Segmentzahl zu reduzieren. Verwenden Sie sie nicht als Tarnung für unbekannte oder nicht geladene Daten. Eine dokumentierte Zusammenfassung bekannter Werte ist etwas anderes als eine Datenlücke.

Auch ein zulässiger Kreis kann schwer lesbar sein

ONS empfiehlt Kreisdiagramme besonders für wenige Kategorien mit deutlichen Größenunterschieden. Bei kleinen Unterschieden empfiehlt die Anleitung stattdessen ein Balkendiagramm. Sie rät außerdem davon ab, mehrere Kreise für Gruppenvergleiche nebeneinanderzustellen, und nennt dafür gestapelte Balken oder Säulen als Alternative.

Wählen Sie deshalb nicht für jede Kennzahl dieselbe Dashboard-Kachel. Soll jemand einen dominierenden Anteil erkennen oder kleine Unterschiede zwischen Gruppen vergleichen? Das Leseziel entscheidet mit.

Für Beschriftungen empfiehlt die Quelle, Kategorien und Werte möglichst direkt am Diagramm zu nennen und eine Legende nur bei begrenztem Platz einzusetzen. Prüfen Sie die gewählte Darstellung auch auf schmalen Bildschirmen. Eine Legende darf nicht ohne verständliche Zuordnung zum sichtbaren Ring stehen bleiben.

Die Abnahme beginnt bei den zugrunde liegenden Fällen

Lassen Sie eine vollständige, nicht überlappende Testmenge darstellen und vergleichen Sie Segmentwerte und Gesamtheit. Ergänzen Sie dann einen Eintrag ohne Zuordnung sowie einen Fall, der nach Ihren Regeln mehreren Kategorien angehören kann. Die App muss der vereinbarten Berichtsregel folgen, statt jeden Datensatz zwangsläufig als Kreis auszugeben.

Testen Sie das Mehrfachauswahlbeispiel separat. Kontrollieren Sie den tatsächlich verwendeten Nenner und die sichtbare Beschriftung. Vergleichen Sie außerdem zwei Gruppen mit unabhängigen Quoten und prüfen Sie, dass sie nicht als Stücke derselben Gesamtheit erscheinen.

Diese Fälle sind vorgeschlagene Abnahmeanforderungen, kein ausgeführter Dashboard-Test. Eine verständliche Diagrammwahl ersetzt auch keine vollständige Prüfung der Zugänglichkeit des Berichts.

Behebt ein Ring statt eines Kreises das Nennerproblem?

Nein. Laut ONS handelt es sich um dieselbe Art der Teil-Ganzes-Darstellung. Die ausgesparte Mitte macht überlappende Kategorien nicht zu getrennten Teilen.

Sind mehr als 100 Prozent immer falsche Daten?

Nein. Mehrfachauswahlen können bezogen auf dieselben Antwortenden zusammen mehr als 100 Prozent ergeben. Entscheidend ist, was gezählt und durch welche Bezugsgröße geteilt wird.

Darf ich kleine Kategorien als Sonstige zusammenfassen?

Eine bewusst definierte Zusammenfassung bekannter Kategorien kann sinnvoll sein. Dokumentieren Sie ihre Bestandteile und verwechseln Sie sie nicht mit fehlenden Daten.

Halten Sie Nenner und Zuordnung in den Akzeptanzkriterien fest. Welche Darstellung die gewünschte Entscheidung unterstützt, lässt sich bei der Planung Ihrer Berichts-App klären.

Quelle und Grenzen

Office for National Statistics: Pie and doughnut charts. Die Quelle stützt Teil-Ganzes-Eignung, Ausschlüsse für überlappende oder unvollständige Daten sowie die beschriebenen Darstellungsempfehlungen. Das Rechenbeispiel wurde gesondert berechnet; Zuordnungs- und Freigaberegeln sind Vorschläge für die Beauftragung.

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