Kundenkonto oder Gastbestellung im Onlineshop?
Kurz gesagt: Für die meisten kleinen Shops ist ein Kontozwang ein unnötiges Hindernis vor der Kasse. Besser funktioniert eine Gastbestellung als Standard und das Angebot, nach der Bestellung mit einem Klick ein Konto anzulegen. Ein Pflichtkonto lohnt sich nur, wenn das Konto selbst einen klaren Zweck hat, etwa bei Abos, Händlerpreisen oder regelmäßigen Nachbestellungen.
Was beim Kontozwang passiert
Ein Kunde hat sich durch Ihr Sortiment geklickt, die Größe gewählt, den Warenkorb gefüllt. An der Kasse steht dann: „Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.“ Er muss sich ein Passwort ausdenken, vielleicht eine E-Mail bestätigen, und erst dann geht es weiter.
Wie viele daran scheitern, hängt von Ihrem Shop und Ihren Kunden ab. Einen Anhaltspunkt liefert das Baymard Institute: In dessen Befragung von Onlinekäufern in den USA nannten 18 Prozent derer, die einen Kauf abgebrochen hatten, als Grund, dass die Seite ein Kundenkonto verlangte. Dabei sind diejenigen schon herausgerechnet, die nur gestöbert hatten. Für den deutschen Markt ist das keine direkte Zahl, zeigt aber, dass der Kontozwang zu den häufiger genannten Hürden zählt.
Gastbestellung: was dafür spricht
- Weniger Felder, weniger Schritte. Ein Gast gibt Lieferadresse, E-Mail und Zahlung ein, ohne Passwortfeld und Bestätigungsmail. Baymard beschreibt in einer Auswertung zu Formularfeldern im Checkout, dass ein prominent platziertes Konto-Angebot an der Kasse Nutzer mit zusätzlichen Feldern wie „Passwort erstellen“ konfrontiert, was einige zum Abbruch bringen kann.
- Passend für Gelegenheitskäufe. Ein Geschenk, ein Ersatzteil, ein einmaliger Kauf: Hier sehen Kunden keinen Grund für ein Konto.
- Weniger Pflege für Sie. Keine vergessenen Passwörter, keine Anfragen „Ich komme nicht in mein Konto“.
Gastbestellung: was dagegen spricht
- Keine Bestellhistorie für den Kunden. Wer später nachkaufen will, muss alles wieder eintippen.
- Doppelte Datensätze. Derselbe Kunde bestellt dreimal als Gast, mal mit Tippfehler in der E-Mail. In Ihrer Auswertung sind das drei Kunden.
- Weniger Bindung. Ohne Konto fehlen Merkzettel, gespeicherte Adressen und ein persönlicher Bereich für Rechnungen oder Rücksendungen.
Kundenkonto: wann es wirklich Sinn ergibt
Ein Pflichtkonto ist gerechtfertigt, wenn es dem Kunden etwas bringt, das ohne Konto nicht geht:
- Abonnements und wiederkehrende Lieferungen. Der Kunde muss Lieferungen pausieren oder ändern können. WooCommerce weist in seiner Dokumentation (Stand November 2026) darauf hin, dass für den Kauf von Abonnements trotz aktivierter Gastbestellung ein Konto nötig ist.
- B2B mit eigenen Preisen. Händler oder Gewerbekunden sehen andere Preise, Staffeln oder Kauf auf Rechnung. Hier ist die Anmeldung Teil des Geschäftsmodells.
- Häufige Nachbestellung. Verbrauchsmaterial, Futter, Ersatzfilter: Wer alle paar Wochen bestellt, schätzt eine Ein-Klick-Nachbestellung.
- Geschlossene Bereiche. Zum Beispiel ein Shop nur für Mitglieder eines Vereins.
Auch dann gilt: Das Konto sollte so schnell wie möglich angelegt sein, ohne Pflichtfelder, die für die Bestellung nicht gebraucht werden.
Die Hybridlösung: Gast zuerst, Konto danach
Die Lösung, die für die meisten kleinen Shops passt, verbindet beides:
1. Gastbestellung als Standard
An der Kasse steht die Gastbestellung gleichwertig oder sogar vorn. Bestehende Kunden finden daneben einen gut sichtbaren Login.
2. Konto nach der Bestellung anbieten
Auf der Bestellbestätigung steht: „Möchten Sie Ihre Daten für die nächste Bestellung speichern?“ Ein Klick, fertig. Name, Adresse und E-Mail kennt der Shop bereits, die Bestellung wird direkt dem neuen Konto zugeordnet.
Baymard beschreibt aus Usability-Tests, dass Teilnehmende, die als Gast bestellten, die Möglichkeit, nach dem Kauf ein Konto anzulegen, beruhigend fanden, weil sie sich auf den Bestellvorgang konzentrieren konnten. In WooCommerce lässt sich laut Dokumentation genau diese Option „After checkout“ aktivieren, also die Kontoerstellung nach der Bestellung.
3. Kein Passwort erzwingen
Statt den Kunden auf der Bestätigungsseite ein Passwort tippen zu lassen, schickt der Shop eine E-Mail mit einem Link zum Festlegen des Passworts. Auch das ist in WooCommerce als Option „Send password setup link“ vorgesehen. Noch einfacher ist eine Anmeldung per Link oder Einmalcode an die E-Mail-Adresse, sofern Ihr Shopsystem das unterstützt.
4. Gastbestellungen nachträglich verknüpfen
Bestellt jemand später mit derselben E-Mail-Adresse und legt dann ein Konto an, sollten frühere Gastbestellungen idealerweise zugeordnet werden. Ob und wie Ihr Shopsystem das kann, klären Sie vor der Umstellung.
5. Bestellstatus auch ohne Konto
Gäste wollen trotzdem wissen, wo ihr Paket ist. Ein Link zur Sendungsverfolgung in der Versandmail und eine Seite „Bestellung verfolgen“ mit Bestellnummer und E-Mail machen das Konto für diesen Zweck überflüssig.
Pro und Contra auf einen Blick
| Nur Gast | Pflichtkonto | Hybrid | |
|---|---|---|---|
| Hürde an der Kasse | niedrig | hoch | niedrig |
| Bestellhistorie für Kunden | nein | ja | für alle, die wollen |
| Saubere Kundendaten | schwierig | gut | mittel bis gut |
| Passend für Abos und B2B | nein | ja | nur mit zusätzlicher Anmeldung |
| Pflegeaufwand | gering | mittel | mittel |
Woran Sie merken, ob die Umstellung wirkt
Messen Sie vor und nach der Änderung den Anteil der Besucher, die den Checkout beginnen und abschließen, und die Zahl der Konten, die nach der Bestellung angelegt werden. Eine Änderung am Checkout sollte nicht gleichzeitig mit einer großen Rabattaktion stattfinden, sonst lässt sich die Wirkung kaum erkennen.
Häufige Fragen
Verliere ich mit Gastbestellungen die Möglichkeit, Kunden wiederzuerkennen?
Nicht ganz. Die E-Mail-Adresse ist auch bei Gästen bekannt, und viele Shopsysteme können Bestellungen danach zusammenfassen. Für eine verlässliche Auswertung braucht es allerdings etwas Pflege.
Sollte ich mit einem Rabatt für die Kontoerstellung locken?
Das kann funktionieren, verschiebt das Konto aber oft wieder vor die Bestellung. Wenn überhaupt, dann als Vorteil für die nächste Bestellung, angeboten nach dem Kauf.
Was ist mit Express-Zahlarten wie Apple Pay oder PayPal?
Sie können den Checkout zusätzlich verkürzen, wenn Ihr Shopsystem Adresse und Zahlungsdaten daraus übernimmt. Sie ersetzen aber kein Kundenkonto, wenn Kunden später Bestellungen einsehen wollen.
Wie gehe ich mit Firmenkunden um, die Gastbestellungen nutzen?
Bieten Sie für sie einen eigenen Anmeldebereich mit Händlerpreisen an. Normale Kunden bestellen weiter als Gast.
Wenn Sie Ihren Checkout einmal von außen anschauen lassen wollen, nehme ich mir gern die Zeit dafür: schreiben Sie mir.