Lieferzeiten im Onlineshop klar und ehrlich anzeigen
Kurz gesagt: Eine ehrliche Lieferzeit unterscheidet zwischen Ware, die am Lager liegt, und Ware, die erst bestellt oder gefertigt wird. Sie berücksichtigt den Bestellschluss, Wochenenden und Feiertage und ist auf Produktseite, Warenkorb und Bestellbestätigung identisch. Die meisten Probleme entstehen nicht durch fehlende Funktionen, sondern durch eine pauschale Angabe, die für viele Produkte nicht stimmt.
„Lieferzeit 1–3 Werktage“ steht in vielen Shops auf jeder Produktseite, auch bei Artikeln, die erst beim Großhändler bestellt werden. Kundinnen und Kunden merken das spätestens, wenn das Paket nach einer Woche noch nicht da ist. Dann kommen Nachfragen per Mail und Telefon, Stornierungen oder schlechte Bewertungen. Eine genaue Lieferzeit kostet einmal Arbeit in den Produktdaten und spart danach laufend Aufwand. Gesetzliche Vorgaben zu Lieferangaben sind nicht Thema dieses Artikels; dazu beraten Händlerverbände oder Ihre Rechtsberatung.
Die Grundbausteine einer Lieferzeit
Bevor es um die Anzeige geht, lohnt ein Blick darauf, woraus eine Lieferzeit besteht:
- Bearbeitungszeit: Vom Bestelleingang bis zur Übergabe an den Versanddienstleister. Bei Lagerware oft ein Tag, bei Sonderanfertigungen Wochen.
- Laufzeit: Vom Versand bis zur Zustellung. Abhängig von Versanddienstleister, Versandart und Zielland.
- Wiederbeschaffungszeit: Bei Ware ohne Lagerbestand die Zeit, bis sie wieder da ist.
- Bestellschluss: Uhrzeit, bis zu der eine Bestellung noch am selben Tag bearbeitet wird.
Auch Google trennt diese Bausteine: In den strukturierten Daten für Händlereinträge lässt sich die Lieferzeit als deliveryTime mit handlingTime (Bearbeitungszeit) und transitTime (Laufzeit) angeben, laut Dokumentation nicht mehr als eine deliveryTime pro Versandangabe (Stand November 2026).
Probleme, Ursachen und Lösungen je Anzeigeort
Produktseite
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Alle Produkte zeigen dieselbe Lieferzeit | Lieferzeit nur einmal global oder in der Versandart hinterlegt | Lieferzeit je Produkt pflegen, Standardwert nur als Rückfall |
| Variante nicht lieferbar, Anzeige sagt „sofort“ | Lieferzeit hängt am Hauptprodukt, nicht an der Variante | Lieferzeit und Bestand je Variante pflegen und nach Auswahl aktualisieren |
| Bestellware wirkt wie Lagerware | Kein Unterschied zwischen „auf Lager“ und „wird bestellt“ | Verfügbarkeit und Lieferzeit getrennt zeigen, z. B. „Nicht auf Lager, Lieferung in 2–3 Wochen“ |
| Angabe veraltet | Bestand wird nur einmal täglich abgeglichen | Abgleich mit Warenwirtschaft häufiger oder in Echtzeit |
In Shopware zum Beispiel wird eine Lieferzeit laut Dokumentation (Stand November 2026) als eigener Eintrag mit Namen, Einheit sowie Minimum und Maximum angelegt. Die einem Produkt zugewiesene Lieferzeit überschreibt die Lieferzeit der Versandart; ist am Produkt keine hinterlegt, gilt die der Versandart. Wer pro Produkt nichts pflegt, zeigt also überall denselben Wert.
Kategorieseite und Suche
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Lieferzeit erst auf der Produktseite sichtbar | Theme zeigt in Listen nur Preis | Kurzen Verfügbarkeitshinweis in der Produktkachel ergänzen |
| Filter „sofort lieferbar“ fehlt | Kein Merkmal für Verfügbarkeit | Filter auf Basis von Bestand oder Lieferzeit anbieten |
Für Kundinnen und Kunden mit Termin, etwa vor einem Geburtstag oder einem Umzug, ist ein Filter nach Lieferbarkeit oft die wichtigste Funktion überhaupt.
Warenkorb und Checkout
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Kein Lieferdatum, nur „1–3 Tage“ | Dynamische Anzeige nicht aktiviert | Voraussichtlichen Lieferzeitraum mit Datum zeigen, wenn das Shopsystem das kann |
| Gemischter Warenkorb, eine Lieferzeit | Längste Lieferzeit wird nicht berücksichtigt | Lieferzeit je Artikel zeigen oder ehrlich sagen, dass die Sendung mit dem letzten Artikel kommt (oder in Teilen) |
| Expressversand verspricht zu viel | Expressoption ignoriert Bearbeitungszeit von Bestellware | Express nur für Lagerware anbieten oder Hinweis bei Bestellware |
| Bestellung um 22 Uhr, Anzeige rechnet ab heute | Kein Bestellschluss hinterlegt | Bestellschluss einbauen und Berechnung ab dem nächsten Bearbeitungstag starten |
Shopware kann laut Doku einen Datumsbereich im Warenkorb anzeigen, ausgehend vom aktuellen Datum; die Funktion ist im Standard inaktiv und wird je Verkaufskanal eingeschaltet. Bei Produkten ohne Lagerbestand wird die Wiederauffüllzeit einbezogen. Andere Shopsysteme bieten Ähnliches über Erweiterungen oder Apps.
Bestellbestätigung und Versandmail
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Bestätigung nennt andere Lieferzeit als der Checkout | Mailtemplate nutzt Standardtext | Lieferzeit oder -datum aus der Bestellung in die Mail übernehmen |
| Verzögerung wird nicht kommuniziert | Kein Prozess für Lieferverzug | Vorlage für eine Verzögerungsmail mit neuem Termin und Alternativen |
Google und andere Kanäle
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Google zeigt andere Lieferinfos als der Shop | Markup oder Feed nutzt Pauschalwerte | Bearbeitungs- und Laufzeit im Markup bzw. Feed aus denselben Daten wie im Shop |
Wochenenden, Feiertage und Betriebsurlaub
Ein häufiger Fehler: Die Berechnung zählt Kalendertage. Wer am Freitagabend bestellt, bekommt „Lieferung bis Montag“ angezeigt, obwohl erst am Montag gepackt wird. Prüfen Sie, ob Ihr Shopsystem Arbeitstage und Feiertage berücksichtigt. In den Beispielrechnungen der Shopware-Dokumentation wird einfach ab dem aktuellen Datum gezählt; wer genauer rechnen will, braucht oft eine Erweiterung oder eine angepasste Logik.
Für Deutschland kommt hinzu, dass Feiertage je Bundesland unterschiedlich sind. Maßgeblich für die Bearbeitung ist Ihr Lagerstandort, für die Zustellung teils auch das Zielgebiet. Betriebsurlaub und Inventurtage sollten Sie im Voraus eintragen können, damit die Anzeige rechtzeitig angepasst wird, statt dass Sie in der Urlaubswoche eine Hinweisleiste von Hand ergänzen.
Vor Weihnachten oder anderen Stoßzeiten lohnt ein eigener Hinweis: „Bestellungen bis zum … werden voraussichtlich vor Heiligabend zugestellt“. Den Termin legen Sie aus Erfahrungswerten und den Angaben Ihres Versanddienstleisters fest.
Lagerware oder Bestellware: die Daten sauber trennen
Die wichtigste Grundlage ist eine klare Kennzeichnung in den Produktdaten:
- Lagerware: Bestand vorhanden, kurze Bearbeitungszeit.
- Bestellware beim Lieferanten: Lieferzeit des Lieferanten plus eigene Bearbeitungszeit.
- Fertigung auf Bestellung: feste Fertigungsdauer, ggf. abhängig von Auslastung.
- Vorbestellung: Erscheinungstermin bekannt, Versand ab Datum X.
Jede Gruppe bekommt eine passende Lieferzeit. Wenn der Bestand eines Lagerartikels auf null fällt, sollte der Shop automatisch auf die Wiederbeschaffungszeit umschalten, statt weiter „sofort lieferbar“ zu zeigen oder den Artikel zu verstecken.
Häufige Fragen
Soll ich Lieferzeiten in Tagen oder als Datum anzeigen?
Auf der Produktseite reicht oft ein Zeitraum in Werktagen. Im Warenkorb ist ein voraussichtliches Datum hilfreicher, weil Kundinnen und Kunden damit planen können.
Was tun, wenn ein Artikel länger braucht als angezeigt?
Möglichst früh informieren, einen neuen Termin nennen und eine Alternative anbieten, etwa Teillieferung oder Storno.
Brauche ich für Lieferzeiten pro Variante eine Erweiterung?
Das hängt vom Shopsystem ab. Viele Systeme erlauben Bestand je Variante; ob auch die Lieferzeit je Variante gepflegt und angezeigt werden kann, sollten Sie in der Dokumentation Ihres Systems prüfen.
Wie gebe ich Lieferzeiten an Google weiter?
Über die strukturierten Daten für Händlereinträge (shippingDetails mit deliveryTime) oder über die Versandeinstellungen im Merchant Center. Wichtig ist, dass die Werte zu den Angaben im Shop passen.
Wenn die Lieferzeiten in Ihrem Shop endlich stimmen sollen, vom Produkt bis zur Bestätigungsmail, unterstütze ich Sie gern bei Datenstruktur und Umsetzung: Kontakt.