Prozent oder Prozentpunkte: Wie Ihr Dashboard die Änderung einer Quote erklären sollte
Wenn sich eine Quote verändert, muss ein Dashboard benennen, welche Art von Veränderung es zeigt. Die Differenz in Prozentpunkten ist etwas anderes als die relative Veränderung in Prozent. Ein Pfeil mit „plus zehn“ lässt diese Entscheidung offen und kann trotz korrekter Ausgangswerte die falsche Aussage vermitteln.
Klären Sie deshalb bei der Beauftragung, ob Nutzer den Abstand zwischen zwei Quoten oder die Veränderung im Verhältnis zum Ausgangswert verstehen sollen. Oft sind beide Angaben hilfreich, sofern sie sauber bezeichnet werden.
Zwei richtige Antworten auf verschiedene Fragen
Das Eurostat-Glossar zu Prozentpunkten verwendet Prozentpunkte für den Vergleich zweier Prozentangaben. Davon unterscheidet Eurostat die prozentuale Veränderung, die den späteren Wert zum früheren Wert ins Verhältnis setzt.
Ein bewusst fiktives Rechenbeispiel: Eine Quote steigt von 25 Prozent auf 35 Prozent. Der Abstand beträgt zehn Prozentpunkte. Bezogen auf den Ausgangswert beträgt die relative Zunahme 40 Prozent. Die beiden Ergebnisse widersprechen sich nicht. Sie beschreiben dieselbe Veränderung mit unterschiedlichen Bezugsgrößen.
Für eine Anzeige könnten Sie daher „35 Prozent, plus zehn Prozentpunkte gegenüber der Vorperiode“ verlangen. Soll zusätzlich die relative Änderung erscheinen, braucht sie eine eigene eindeutige Beschriftung. „Plus zehn Prozent“ wäre für diesen Abstand nicht dasselbe.
Die Beispielrechnung erklärt nur die Einheiten. Sie ist weder eine gemessene Verbesserung eines Unternehmens noch eine Zielvorgabe für Ihre App.
Den Ausgangswert sichtbar halten
Meine Empfehlung: Zeigen Sie neben einer Veränderungsangabe auch aktuellen Wert, Vergleichswert und Vergleichszeitraum. Damit können Nutzer erkennen, worauf sich ein scheinbar großer Zuwachs bezieht.
Ein relativer Anstieg ist ohne Ausgangslage schwer einzuordnen. Ebenso sagt die Quote allein nicht, wie viele Vorgänge dahinterstehen. Lassen Sie deshalb die zugrunde liegenden Zählwerte zugänglich machen, soweit die Berechtigungen das erlauben. Eine Darstellung darf keine vertraulichen Einzelvorgänge offenlegen, nur um eine Kennzahl zu erklären.
Benennen Sie den Vergleich konkret. „Vorperiode“ könnte der vorherige Kalendermonat, ein gleich langer Zeitraum oder derselbe Zeitraum im Vorjahr sein. Wechseln Filter oder Zeiträume, müssen beide verglichenen Werte nach der vereinbarten Regel neu entstehen. Ein neuer aktueller Wert neben einem unverändert alten Vergleichswert ergibt sonst einen anderen Vergleich als der beschriftete.
Nur fachlich vergleichbare Quoten gegenüberstellen
Vor der Differenzrechnung steht die Definition der Quote. Was zählt im Zähler und was im Nenner? Sind stornierte Vorgänge enthalten? Bezieht sich der Wert auf eingegangene oder abgeschlossene Anfragen? Diese Regeln sollten zwischen den verglichenen Zeiträumen zusammenpassen.
Wenn sich die Definition geändert hat, ist eine rechnerische Differenz möglicherweise weiterhin möglich, aber nicht ohne Weiteres als betriebliche Entwicklung interpretierbar. Kennzeichnen Sie einen solchen Bruch oder zeigen Sie getrennte Reihen. Das ist eine vorgeschlagene Berichtsregel, keine automatische Funktion, die das Eurostat-Glossar für Ihre Anwendung zusagt.
Halten Sie außerdem die Rundung getrennt von der eigentlichen Berechnung. Entscheiden Sie mit dem Entwickler, welche Genauigkeit gespeichert und gerechnet wird und wie viele Stellen die Oberfläche zeigt. Ein Export und eine Kachel sollten nicht zwei fachlich unterschiedliche Änderungen ausgeben, nur weil sie verschiedene gerundete Zwischenwerte verwenden.
Null und fehlende Daten brauchen eigene Zustände
Die relative Veränderung verwendet den früheren Wert als Bezug. Bei einem Ausgangswert von null lässt sich die übliche relative Veränderung durch diese Division nicht berechnen. Eine neue positive Quote sollte dann nicht als gewöhnlicher endlicher Prozentzuwachs ausgegeben werden.
Die Differenz in Prozentpunkten kann trotzdem bestimmbar sein, wenn beide Quoten tatsächlich definiert und gemessen sind. Ein fehlender Ausgangswert ist jedoch keine gemessene Null. Wenn für einen Zeitraum kein geeigneter Nenner oder keine belastbare Messung vorliegt, muss die Anzeige diesen Zustand unterscheiden.
Vereinbaren Sie dafür verständliche Texte statt einer erfundenen Verbesserung. Beispielsweise kann die relative Vergleichsangabe als nicht berechenbar gekennzeichnet werden, während die vorhandenen Werte mit ihrem tatsächlichen Status sichtbar bleiben.
Was in die Abnahme gehört
Nehmen Sie das Beispiel von 25 auf 35 Prozent in Ihre Akzeptanzkriterien auf. Verlangen Sie zehn Prozentpunkte Abstand und, falls vorgesehen, 40 Prozent relative Zunahme mit jeweils passender Beschriftung.
Ergänzen Sie einen Rückgang, unveränderte Werte, einen echten Ausgangswert von null und eine fehlende Vergleichsperiode. Prüfen Sie außerdem Filter, Rundung und Export. Diese Liste beschreibt anzufordernde Tests, nicht bereits geprüfte Ergebnisse einer produktiven Anwendung.
Bringen Sie die Quote, den Vergleichszeitraum und die gewünschte Lesart in die Planung Ihrer Berichts-App ein. Ein nützlicher Änderungswert braucht mehr als ein Prozentzeichen: Er braucht eine eindeutig benannte Beziehung zwischen zwei nachvollziehbaren Ausgangswerten.