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Ein Untertitel-Schalter am stummen Messevideo

Auf Messen laufen Videos meist ohne Ton. Untertitel sind dort keine Zugabe, sondern der eigentliche Text. Ein Fehler entsteht, wenn man Untertitel aus einer Tonspur ableitet, die am Stand nie gehört wird. Dieser Vorschlag behandelt Untertitel als eigenständigen Text, der zu Szenen passt.

Grundsatz

Der Untertitel erklärt, was die Szene zeigt, nicht, was ein Sprecher sagt. Eine Tonspur kann existieren, wird aber nicht vorausgesetzt. Der Schalter könnte Untertitel ein oder aus schalten, in der Standardstellung bei Stummschaltung ein.

Die Szenen-zu-Untertitel-Zuordnung

Eine Tabelle mit diesen Spalten könnte genügen:

  • Szenennummer
  • Beginn und Ende (in Sekunden, nach dem tatsächlichen Schnitt)
  • Bildinhalt in einem Satz
  • Untertiteltext
  • Zeichenzahl
  • Lesedauer (siehe unten)
  • Anzeigedauer im Video
  • Notiz: reine Bildbeschreibung, Aussage, oder kein Untertitel nötig

Die Lesedauerprobe

Um zu prüfen, ob ein Untertitel lang genug steht, könnte man eine einfache Probe nutzen. Eine unbeteiligte Person liest jeden Untertitel in normalem Tempo laut mit Stoppuhr. Die gemessene Zeit, plus einen kleinen Puffer für das Verstehen des Bildes, sollte kleiner sein als die Anzeigedauer. Man setzt die Grenzen selbst fest und notiert sie, statt sich auf allgemeine Zahlen zu verlassen. Besucher lesen im Stehen, im Vorbeigehen und aus Distanz, deshalb ist der Wert eher großzügig zu wählen.

Verzweigungen

Ist eine Szene kürzer als die Lesedauer ihres Untertitels, wird entweder der Text gekürzt oder die Szene verlängert. Gehört ein Untertitel zu zwei Szenen, wird er geteilt oder die Zuordnung klargestellt. Existiert eine Tonspur mit Sprache, wird sie nicht einfach abgetippt, sondern als Quelle verwendet und danach an das Bild angepasst. Gibt es Szenen ohne erklärungsbedürftigen Inhalt, bleibt der Untertitel leer, statt Text zu füllen.

Hypothetisches Beispiel

Angenommen, ein Video für einen Messestand eines Werkzeugherstellers hat sechs Szenen. Szene 3 zeigt eine Hand, die einen Verschluss öffnet, vier Sekunden lang. Der erste Untertitelentwurf lautet „Der Verschluss lässt sich ohne Werkzeug öffnen und schließen und bleibt auch bei Belastung zuverlässig sitzen.“ Die Leseprobe zeigt, dass das länger dauert als die Szene. Außerdem wäre „zuverlässig“ eine Aussage, die niemand belegt hat. Neuer Text: „Verschluss ohne Werkzeug öffnen.“ Er passt in die Szene und beschreibt nur, was zu sehen ist.

Stoppbedingungen

  • Ein Untertitel macht eine Aussage, die weder im Bild zu sehen noch belegt ist.
  • Die Lesedauerprobe ergibt bei mehreren Szenen eine Überschreitung, die sich nicht mit Kürzen lösen lässt: Schnitt überarbeiten.
  • Der Untertitel ist nur mit Tonspur verständlich.
  • Der Text verdeckt wichtige Bildteile.

Praktische Abnahme

Für die Abnahme könnten diese Punkte gelten:

  1. Das Video wird komplett stumm angesehen, und die Zuschauerin versteht jede Szene.
  2. Jede Zeile der Tabelle besitzt eine bestandene Lesedauerprobe.
  3. Der Schalter lässt sich per Tastatur und Berührung bedienen, und sein Zustand ist erkennbar.
  4. Bei eingeschaltetem Ton widersprechen Untertitel und Sprache einander nicht.
  5. Die Untertitel bleiben auf kleinem Bildschirm lesbar, getestet mit dem tatsächlichen Gerät am Stand.

So entsteht ein Video, das ohne Ton eigenständig funktioniert und trotzdem nichts behauptet, was das Bild nicht trägt.

Quellen

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