Website-Angebote vergleichen: 12 Fragen vor der Unterschrift
Kurz gesagt: Website-Angebote lassen sich selten direkt vergleichen, weil jedes etwas anderes enthält. Bevor Sie auf den Preis schauen, klären Sie mit denselben zwölf Fragen bei jedem Anbieter, was genau geliefert wird, wer Texte und Bilder liefert, welche Rechte Sie erhalten, was Hosting und Wartung danach kosten und wie bezahlt wird. Ein günstiges Angebot, das die Hälfte offenlässt, wird oft teurer als ein vollständiges.
So nutzen Sie die Liste
Schicken Sie jedem Anbieter dieselben Fragen schriftlich und bitten Sie um schriftliche Antworten. Tragen Sie die Antworten in eine Tabelle ein, ein Anbieter pro Spalte. Lücken sind selbst eine Antwort: Was nicht im Angebot steht, ist im Zweifel nicht enthalten.
Die 12 Fragen
1. Welche Seiten und Funktionen sind genau enthalten?
„Website mit bis zu 10 Seiten“ sagt wenig. Bitten Sie um eine Liste: welche Seiten, welche Vorlagen, welche Funktionen (Kontaktformular, Terminbuchung, Mehrsprachigkeit, Blog, Shop). Fragen Sie auch, was eine zusätzliche Seite oder Funktion später kostet.
2. Wer liefert Texte, Bilder und Übersetzungen?
Hier entstehen die meisten Verzögerungen. Klären Sie, ob Texte geschrieben oder nur eingesetzt werden, ob Fotos gemacht, lizenziert oder von Ihnen geliefert werden, und wer übersetzt. „Inhalte liefert der Kunde“ ist legitim, sollte Ihnen aber bewusst sein, bevor Sie Angebote nebeneinanderlegen.
3. Welches System (CMS) wird verwendet, und kann ich es selbst bedienen?
Ein offenes System, ein Baukasten eines Anbieters oder eine Eigenentwicklung haben unterschiedliche Folgen für Kosten, Abhängigkeit und Wechselmöglichkeiten. Fragen Sie: Kann ich Texte und Bilder selbst ändern? Gibt es eine Einführung? Was passiert, wenn ich später den Anbieter wechsle?
4. Welche Nutzungsrechte erhalte ich an Design, Code, Texten und Bildern?
Nach deutschem Urheberrecht bestimmt sich der Umfang eines Nutzungsrechts nach dem Vertragszweck, wenn die Nutzungsarten nicht ausdrücklich einzeln bezeichnet sind (§ 31 Abs. 5 UrhG). Das ist eine häufige Quelle späterer Streitigkeiten. Lassen Sie im Angebot festhalten, welche Rechte Sie erhalten (einfach oder ausschließlich, zeitlich und räumlich unbeschränkt?) und ob Sie Design und Code weiterverwenden oder durch Dritte ändern lassen dürfen. Für Bilder aus Datenbanken gelten die Lizenzbedingungen der Datenbank. Österreich und die Schweiz kennen eigene Regeln; das Prinzip „schriftlich festhalten“ gilt überall.
5. Wem gehören Domain und Zugänge?
Die Domain sollte auf Sie registriert sein, nicht auf den Anbieter. Gleiches gilt für Hosting-Konto, Analyse-Tools und Google-Unternehmensprofil, oder Sie erhalten zumindest vollständige Administratorrechte. Fragen Sie konkret, auf wen was läuft.
6. Wo und wie wird gehostet, und was kostet das pro Jahr?
Hosting ist laufender Aufwand, der im Projektpreis oft fehlt. Klären Sie Standort (wichtig für den Datenschutz), Leistung, Backup, SSL-Zertifikat und jährliche Kosten. Fragen Sie auch, ob Sie das Hosting selbst übernehmen dürfen.
7. Was umfasst Wartung, und was kostet sie?
Updates von System und Erweiterungen, Sicherheitsüberwachung, Backups, kleine Änderungen: Was davon ist im Wartungsvertrag enthalten? Wie schnell wird auf Störungen reagiert? Ist die Wartung optional, und was passiert, wenn Sie sie nicht nehmen?
8. Ist Barrierefreiheit Teil des Angebots?
In Deutschland gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für bestimmte Dienstleistungen, die nach dem 28. Juni 2025 für Verbraucher erbracht werden, darunter Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr (§ 1 Abs. 3 BFSG). Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen, sind von der Pflicht ausgenommen (§ 3 Abs. 3 BFSG). Auch wenn Sie nicht betroffen sind, ist Barrierefreiheit ein Qualitätsmerkmal. Fragen Sie, nach welchem Standard gearbeitet und wie geprüft wird.
9. Wie sieht der Zeitplan aus, und was passiert bei Verzug?
Fragen Sie nach Meilensteinen (Konzept, Design, Umsetzung, Test, Livegang) und nach Ihren Mitwirkungspflichten mit Fristen. Was geschieht, wenn Inhalte von Ihnen zu spät kommen? Was, wenn der Anbieter in Verzug gerät?
10. Wie viele Korrekturschleifen sind enthalten?
„Zwei Korrekturrunden für das Design“ ist eine klare Aussage, „Anpassungen nach Absprache“ nicht. Klären Sie, was als Korrektur gilt und was als neue Anforderung abgerechnet wird.
11. Wie ist der Zahlungsplan?
Üblich sind Teilzahlungen nach Meilensteinen. Vorsicht bei sehr hoher Vorauszahlung ohne Gegenleistung. Klären Sie, ob Preise netto oder brutto sind, und ob Fremdkosten (Lizenzen, Schriften, Bilder, Erweiterungen) inbegriffen sind.
12. Welche Laufzeiten und Kündigungsfristen gelten?
Gerade bei Paketangeboten mit monatlicher Rate: Wie lange ist die Mindestlaufzeit? Was passiert mit Website und Domain nach Ende des Vertrags? Können Sie die Website mitnehmen, oder gehört sie dem Anbieter?
Warnzeichen im Angebot
- Kein Leistungsverzeichnis, nur ein Pauschalpreis.
- Domain läuft auf den Anbieter, ohne Regelung zur Übertragung.
- Mietmodell ohne Herausgabe: Nach Vertragsende ist die Website weg.
- Unklare Rechte: Keine Aussage zu Nutzungsrechten an Design und Code.
- Garantierte Rankings („Platz 1 bei Google“). Seriöse Anbieter versprechen das nicht.
- Druck zur schnellen Unterschrift mit zeitlich begrenzten Rabatten.
Vergleichstabelle zum Ausfüllen
| Frage | Anbieter A | Anbieter B | Anbieter C |
|---|---|---|---|
| 1 Seiten/Funktionen | |||
| 2 Inhalte | |||
| 3 CMS | |||
| 4 Nutzungsrechte | |||
| 5 Domain/Zugänge | |||
| 6 Hosting/Jahr | |||
| 7 Wartung/Jahr | |||
| 8 Barrierefreiheit | |||
| 9 Zeitplan | |||
| 10 Korrekturen | |||
| 11 Zahlungsplan | |||
| 12 Laufzeit | |||
| Gesamtkosten 3 Jahre |
Die letzte Zeile ist die wichtigste: Rechnen Sie Projektpreis plus drei Jahre Hosting und Wartung zusammen.
Häufige Fragen
Sollte ich das günstigste Angebot nehmen?
Nur, wenn es nach Ihrer Tabelle wirklich dasselbe liefert. Oft fehlen beim günstigsten Angebot Texte, Wartung oder klare Rechte.
Darf ich ein Angebot einem anderen Anbieter zeigen?
Inhalt und Preis eines Angebots sind oft vertraulich gemeint. Teilen Sie lieber Ihre Fragen und Anforderungen als das fremde Angebot.
Brauche ich einen schriftlichen Vertrag?
Ja. Die Antworten auf diese zwölf Fragen gehören in Angebot oder Vertrag, nicht nur in eine E-Mail.
Gerne beantworte ich Ihnen diese zwölf Fragen auch für Ihr eigenes Projekt; eine Nachricht über die Anfrageseite reicht als Start.