Website für ältere Kundinnen und Kunden: worauf es ankommt
Kurz gesagt: Ältere Kundinnen und Kunden brauchen keine „Senioren-Version“ Ihrer Website, sondern eine Website, die gut lesbar, ruhig und verzeihend ist: große, anpassbare Schrift, starker Kontrast, eindeutige Links, eine sichtbare Telefonnummer, einfache Formulare ohne Zeitdruck und klare Bestätigungen. Die W3C-Initiative für Barrierefreiheit hält fest, dass ihre bestehenden Richtlinien die Bedürfnisse älterer Nutzer weitgehend abdecken. Die zehn Prüfpunkte unten lassen sich ohne Fachwissen kontrollieren.
Für Hörakustik, Optik, Pflegedienste, Reisebüros, Apotheken-nahe Angebote oder Fußpflege ist die Kundschaft oft jenseits der 65. Viele davon sind sicher online, buchen Reisen und lesen Zeitung am Tablet. Trotzdem kommen mit den Jahren Dinge zusammen: Die Augen werden schwächer, die Finger weniger treffsicher, die Geduld mit Pop-ups kleiner. Eine Website, die darauf Rücksicht nimmt, ist übrigens für alle angenehmer.
Die Hinweise stützen sich auf die W3C-Seite „Developing Websites for Older People“ der Web Accessibility Initiative (WAI) und die Erläuterungen zu WCAG 2.2, abgerufen November 2026. WCAG dient hier als technische Messlatte. Wie Sie Ihre Seite systematisch durchtesten, beschreibt der Artikel zum 30-Minuten-Selbsttest.
Die zehn Prüfpunkte
1. Die Schrift ist groß genug – und wächst mit
Fließtext in einer Größe, die man am Handy ohne Brille gerade noch liest, ist für viele zu klein. Wichtiger als eine bestimmte Zahl ist, dass die Schrift mitwächst, wenn jemand im Browser vergrößert. WCAG verlangt, dass Text ohne Hilfsmittel auf 200 % vergrößert werden kann, ohne dass Inhalte oder Funktionen verloren gehen. Die WAI nennt für ältere Nutzer ausdrücklich auch größere Schrift als Standard.
So testen Sie es: Am Computer Strg und Plus (am Mac Cmd und Plus) drücken, bis 200 % erreicht sind. Bleibt alles lesbar, ohne dass Texte abgeschnitten werden oder sich überlappen?
2. Der Kontrast ist stark
Hellgrauer Text auf weißem Grund sieht elegant aus und ist für viele nicht lesbar. WCAG setzt für normalen Text ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1, für großen Text 3:1. Die W3C-Erläuterung begründet den höheren Wert ausdrücklich mit dem Kontrastverlust, der mit nachlassender Sehkraft einhergeht.
So testen Sie es: Mit einem kostenlosen Kontrastprüfer im Browser die Farben von Fließtext, Links und Buttons gegen den Hintergrund prüfen. Alles unter 4,5:1 bei normalem Text überarbeiten.
3. Links sind als Links erkennbar und sagen, wohin sie führen
Die WAI empfiehlt, Links optisch deutlich abzuheben und so zu beschriften, dass ihr Ziel klar ist. „Hier klicken“ oder „mehr“ sagt nichts. „Termin für Hörtest vereinbaren“ schon.
So testen Sie es: Lesen Sie nur die Linktexte einer Seite vor. Versteht man, wohin jeder führt? Sind Links ohne Mauszeiger von normalem Text zu unterscheiden, etwa durch Unterstreichung?
4. Die Telefonnummer ist sofort sichtbar
Viele ältere Kunden möchten lieber anrufen. Das ist kein Mangel der Website, sondern ein Kanal, den sie bedienen sollte. Die Nummer gehört in den Kopfbereich, am Handy als antippbarer Link, daneben die Zeiten, in denen jemand abhebt.
So testen Sie es: Öffnen Sie die Startseite am Handy. Sehen Sie die Nummer ohne Scrollen? Startet ein Tipp darauf den Anruf?
5. Schaltflächen sind groß genug für den Finger
Kleine Buttons, die eng beieinanderliegen, führen zu Fehltipps. WCAG 2.2 legt als Mindestmaß für Klickziele 24 × 24 CSS-Pixel fest, mit Ausnahmen. Für wichtige Schaltflächen wie „Termin buchen“ oder „Anrufen“ darf es deutlich mehr sein.
So testen Sie es: Tippen Sie am Handy mit dem Daumen auf jede Schaltfläche im Menü und im Formular. Erwischen Sie jedes Mal die richtige?
6. Formulare haben sichtbare Beschriftungen und verständliche Fehlermeldungen
Platzhaltertext, der beim Tippen verschwindet, ist keine Beschriftung. Jedes Feld braucht ein sichtbares Label. Wenn etwas fehlt, soll die Meldung sagen, welches Feld und was zu tun ist – „Bitte geben Sie Ihre Telefonnummer an“ statt „Eingabefehler“. Die WAI weist darauf hin, dass richtig verknüpfte Labels auch die klickbare Fläche vergrößern.
So testen Sie es: Formular absichtlich falsch ausfüllen und absenden. Ist klar, was nicht passt? Bleiben die bisherigen Eingaben erhalten?
7. Niemand wird von einer Zeitgrenze überrascht
Buchungsstrecken, die nach wenigen Minuten ablaufen, Reservierungen im Warenkorb mit Countdown, automatische Abmeldungen: Laut WAI brauchen manche ältere Menschen länger zum Lesen und Ausfüllen. WCAG verlangt, dass Zeitlimits abgeschaltet, angepasst oder verlängert werden können.
So testen Sie es: Starten Sie eine Buchung oder Anfrage und lassen Sie die Seite zehn Minuten offen. Funktioniert das Absenden danach noch? Kommt vorher eine Warnung mit der Möglichkeit, zu verlängern?
8. Nichts bewegt sich ungefragt
Die WAI nennt Bewegung und Ton als typische Störfaktoren. Automatische Bilderslider, blinkende Hinweise, Videos mit Ton ohne Klick: Wer langsamer liest, verliert den Faden. WCAG verlangt für bewegte Inhalte eine Möglichkeit zum Anhalten.
So testen Sie es: Startseite öffnen und eine Minute nichts tun. Bewegt sich etwas, startet Ton, schiebt sich ein Banner ins Bild? Lässt es sich stoppen?
9. Keine Pop-ups und keine unerwarteten neuen Fenster
Neue Tabs und Fenster, die sich ungefragt öffnen, verwirren laut WAI gerade Nutzer mit nachlassendem Gedächtnis. Gleiches gilt für Newsletter-Pop-ups, die den Inhalt verdecken. Links sollen im selben Fenster öffnen, es sei denn, es gibt einen guten Grund – dann mit Hinweis.
So testen Sie es: Klicken Sie die zehn wichtigsten Links der Website. Öffnet sich irgendwo unangekündigt ein neuer Tab? Funktioniert danach der Zurück-Button?
10. Jede Aktion endet mit einer klaren Bestätigung
Nach dem Absenden eines Formulars, einer Bestellung oder Buchung braucht es eine eindeutige Rückmeldung auf dem Bildschirm und idealerweise per E-Mail oder SMS: was gebucht wurde, wann, wohin, und wie man es ändert. Vor dem Absenden sollte man seine Angaben noch einmal sehen und korrigieren können – das empfiehlt die WAI ausdrücklich für Formulare.
So testen Sie es: Buchen Sie selbst einen Testtermin. Bekommen Sie eine Zusammenfassung, bevor Sie abschicken? Kommt danach eine verständliche Bestätigung mit allen Daten?
Zwei Dinge, die oft übersehen werden
CAPTCHAs: Verzerrte Buchstaben mit schwachem Kontrast sind laut WAI für Menschen mit nachlassender Sehkraft oft nicht lösbar. Spam-Schutz, der im Hintergrund arbeitet, ist für diese Zielgruppe die bessere Wahl.
Ältere Geräte: Viele ältere Kunden nutzen Tablets oder Handys über Jahre. Die WAI nennt ältere Hard- und Software als eigenen Punkt. Testen Sie die Seite auch auf einem Gerät, das nicht das neueste ist.
Häufige Fragen
Brauche ich einen Button zum Vergrößern der Schrift?
Meist nicht. Browser können selbst vergrößern. Wichtiger ist, dass Ihre Seite das Vergrößern verträgt. Ein zusätzlicher Button schadet nicht, ersetzt aber keine ausreichend große Grundschrift.
Ist eine „einfache Version“ der Website sinnvoll?
Eine zweite Version muss doppelt gepflegt werden und veraltet schnell. Besser ist eine Hauptseite, die für alle klar und lesbar ist.
Sollen ältere Kunden online buchen können oder lieber anrufen?
Beides. Viele buchen gern online, wenn es einfach ist. Andere rufen lieber an. Die Website sollte beide Wege gleich gut sichtbar anbieten.
Wie spreche ich ältere Kunden in Texten an?
Klar, respektvoll und ohne Fachjargon. Kurze Sätze, konkrete Angaben, keine Anglizismen, wo es ein gängiges deutsches Wort gibt. Bilder von echten Menschen statt Stockfotos mit übertrieben fröhlichen Senioren.
Wenn Sie wissen möchten, wie Ihre Website bei diesen zehn Punkten abschneidet, gehe ich sie gern einmal mit Ihnen gemeinsam durch – hier erreichen Sie mich.