Website-Texte für Schweizer Leser: Helvetismen und Tonalität
Kurz gesagt: Schweizer Leserinnen und Leser merken sofort, ob ein Text für sie geschrieben wurde. Die sichtbarsten Signale sind das Doppel-s statt Eszett, Frankenbeträge mit Punkt statt Komma, Guillemets als Anführungszeichen und einige Wörter, die in der Schweiz anders heissen. Wer diese Punkte beachtet und im Ton etwas zurückhaltender schreibt, wirkt nicht mehr wie ein Anbieter von aussen.
Warum das mehr ist als Kosmetik
Ein deutscher Onlineshop, der „Angebot anfordern“ schreibt und Preise mit Komma zeigt, wird in Zürich verstanden. Aber er wirkt fremd. Bei Dienstleistungen, die Vertrauen brauchen – Handwerk, Treuhand, Gesundheit, Beratung –, ist dieses kleine Fremdheitsgefühl genau das, was eine Anfrage verhindert. Und wer für Schweizer Suchbegriffe gefunden werden will, muss sie auch verwenden.
Die folgende Liste zeigt die häufigsten Unterschiede, jeweils mit einem Beispiel, wie es vorher aussieht und wie es für die Schweiz besser passt.
Die Unterschiede im Einzelnen
1. Doppel-s statt Eszett
Im amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung (Fassung 2024) steht ausdrücklich: In der Schweiz und in Liechtenstein kann immer ss geschrieben werden. In der Praxis wird das Eszett in Schweizer Texten nicht verwendet.
- Vorher: Wörter wie Strasse, Grüsse oder gemäss mit Eszett geschrieben
- Nachher: Strasse, Grüsse, gemäss, schliessen, Massnahme, grösser
Achtung bei automatischer Ersetzung: Eine Suchen-und-Ersetzen-Aktion erwischt auch Eigennamen und Zitate. Lesen Sie danach noch einmal.
2. Frankenbeträge
Die Schreibweisungen der Bundeskanzlei zeigen Beträge mit Punkt als Dezimaltrennzeichen: Fr. 23.50, nicht Fr. 23,50; runde Beträge als Fr. 20.–.
- Vorher: „ab 1.200,00 CHF“
- Nachher: „ab CHF 1200.–“ oder „ab Fr. 1200.–“
Bei Tausendergruppen ist die Lage gemischt: Die Bundeskanzlei empfiehlt für amtliche Texte einen schmalen Festabstand und rät von der früher gebräuchlichen Schreibung mit Apostroph ab. Im Geschäftsalltag begegnet Ihnen 1'000 aber weiterhin oft. Entscheiden Sie sich für eine Variante und bleiben Sie auf der ganzen Website dabei – und zwar auch im Shop, in Offerten und in E-Mails.
3. Anführungszeichen
Die Bundeskanzlei verwendet Guillemets mit Spitzen nach aussen: «so». Für halbe Anführungszeichen ‹so›.
- Vorher: „Unser Motto“
- Nachher: «Unser Motto»
4. Datum und Uhrzeit
Datum in der Reihenfolge Tag, Monat, Jahr; Uhrzeiten nach den Schreibweisungen mit Punkt: 12.30 Uhr, Zeitspannen etwa 13.00–17.00 Uhr. Das deckt sich weitgehend mit Deutschland, aber Öffnungszeiten mit Doppelpunkt wirken in der Schweiz eher importiert.
- Vorher: „Öffnungszeiten 08:00 – 18:00 Uhr“
- Nachher: „Öffnungszeiten 8.00–18.00 Uhr“
5. Wörter, die in der Schweiz anders heissen
Eine kleine Auswahl, die auf Websites oft vorkommt:
| Eher in Deutschland | Eher in der Schweiz |
|---|---|
| Angebot (für Auftrag) | Offerte |
| Fahrrad | Velo |
| parken | parkieren |
| grillen | grillieren |
| Krankenhaus | Spital |
| Bürgersteig | Trottoir |
| Hausmeister | Hauswart |
| Abitur | Matura |
Verwenden Sie Helvetismen nur dort, wo sie natürlich sind. Eine Website, die in jedem Satz Schweizer Wörter unterbringt, wirkt bemüht. Mundart gehört in Website-Texte höchstens als bewusst eingesetztes Detail, etwa in einem Slogan.
6. Ton und Anrede
Die Anrede mit „Sie“ ist für Geschäftswebsites in der Deutschschweiz der Normalfall; „du“ funktioniert bei jungen Marken, Sport oder Gastronomie. Wichtiger als die Anrede ist der Ton: Superlative und laute Versprechen („Der beste Service der Stadt!“) wirken in der Schweiz schnell unglaubwürdig. Konkrete, sachliche Aussagen kommen besser an.
- Vorher: „Wir sind DIE Experten für Ihr Bad – garantiert unschlagbar!“
- Nachher: „Wir planen und bauen Bäder im Raum Winterthur, seit 2009 und mit eigenem Team.“
7. Ortsangaben und Mehrsprachigkeit
Schweizer suchen oft mit Ort oder Region: „Malermeister Bern“, „Treuhand Zug“. Nennen Sie Ihr Einzugsgebiet konkret. Wenn Sie auch in der Romandie oder im Tessin tätig sind, braucht es eigene Texte auf Französisch oder Italienisch – ein Hinweis „We speak French“ reicht nicht.
8. Telefonnummern und Adressen
Auch Kontaktangaben verraten, ob eine Website für die Schweiz gemacht ist. Die Schreibweisungen der Bundeskanzlei gliedern Telefonnummern in Zweier- und Dreiergruppen, also etwa 044 123 45 67, international +41 44 123 45 67. Adressen stehen in der Reihenfolge Strasse und Hausnummer, dann Postleitzahl und Ort; ein Länderkürzel vor der Postleitzahl braucht es für Schweizer Kundschaft nicht.
- Vorher: „Tel.: +41 (0)44 / 1234567“
- Nachher: „Telefon 044 123 45 67“
Für den Anruf-Button auf dem Handy gehört die internationale Form ohne Null in den Link, sichtbar darf die gewohnte Schreibweise stehen.
9. Suchbegriffe prüfen statt raten
Ob Ihre Kundschaft „Offerte“ oder „Angebot“, „Velo“ oder „Fahrrad“ sucht, hängt von der Branche ab. Prüfen Sie Suchbegriffe mit einem Keyword-Werkzeug, eingestellt auf die Schweiz, und schauen Sie, welche Begriffe Ihre Mitbewerber verwenden. Oft lohnt es sich, beide Varianten natürlich im Text unterzubringen.
Häufige Fragen
Muss ich für Deutschland und die Schweiz zwei Website-Versionen pflegen?
Nicht zwingend. Viele Unternehmen mit Hauptmarkt Schweiz schreiben einfach durchgehend Schweizer Standarddeutsch. Wer beide Märkte gleich stark bedient, kann eigene Länderversionen anlegen – das bedeutet aber doppelte Pflege.
Verstehen Deutsche die Schweizer Schreibweise?
Ja, ohne Probleme. Das Doppel-s und Frankenbeträge fallen deutschen Lesern kaum negativ auf. Umgekehrt wirkt ein deutscher Text in der Schweiz stärker fremd.
Wie schreibe ich CHF richtig: vor oder nach dem Betrag?
Beides kommt vor. Die Bundeskanzlei zeigt Beispiele wie „Fr. 23.50“ und „4,16 Mio. CHF“. Wichtig ist, auf der ganzen Website einheitlich zu bleiben.
Lohnt sich ein Schweizer Lektorat?
Bei wichtigen Seiten wie Startseite, Leistungen und Shop ja. Ein muttersprachlicher Blick findet die kleinen Dinge, die eine automatische Korrektur übersieht.
Wenn Sie Ihre Website für Schweizer Kundschaft überarbeiten möchten, erzählen Sie mir, für welche Region Sie schreiben.