Lorixen.
DE

Webtexte fürs Handy: so schreiben, dass man sie unterwegs liest

Kurz gesagt: Auf dem Handy sehen Besucher nur wenige Zeilen auf einmal und lesen selten Wort für Wort, sondern überfliegen. Deshalb gehört die wichtigste Aussage an den Anfang jeder Seite und jedes Absatzes, Absätze bleiben kurz, Zwischenüberschriften sagen konkret, was folgt, und Buttons beschreiben die Handlung statt „Mehr“ oder „Hier“. Am meisten lernen Sie, wenn Sie bestehende Texte direkt auf dem eigenen Telefon umschreiben – die Beispiele unten zeigen, wie.

Viele Website-Texte entstehen am großen Bildschirm und werden auch dort abgenommen. Gelesen werden sie dann oft auf dem Handy: in der Straßenbahn, zwischen zwei Terminen, mit einer Hand. Was am Monitor als angenehm ausführlicher Absatz wirkt, ist auf dem Telefon eine graue Wand. Die Nielsen Norman Group hat schon früh beschrieben, dass Menschen Webseiten eher scannen als Wort für Wort lesen, und empfiehlt deshalb hervorgehobene Schlüsselwörter, aussagekräftige Zwischenüberschriften, Listen, eine Idee pro Absatz und den Einstieg mit der Schlussfolgerung. Auf dem kleinen Bildschirm gilt das noch stärker.

Mythen und Wirklichkeit, mit Vorher-Nachher

Die folgenden Beispiele sind frei formuliert und stehen für typische Muster, nicht für echte Betriebe.

Mythos 1: „Erst stellen wir uns vor, dann kommt das Angebot.“

Vorher: „Seit über zwanzig Jahren steht unser Familienbetrieb für Qualität, Zuverlässigkeit und persönliche Beratung. Mit Leidenschaft und Erfahrung begleiten wir unsere Kunden von der ersten Idee bis zur Umsetzung.“

Nachher: „Wir sanieren Bäder in Leipzig und Umgebung – vom Fliesentausch bis zum barrierearmen Umbau. Termine für ein Vor-Ort-Gespräch meist innerhalb von zwei Wochen.“

Wirklichkeit: Wer auf dem Handy landet, will in den ersten Zeilen wissen, ob er richtig ist. Die Firmengeschichte darf kommen – aber später.

Mythos 2: „Lange Absätze wirken seriös.“

Vorher: Ein Absatz mit acht Sätzen zu Ablauf, Kosten, Materialien und Garantie.

Nachher: Vier kurze Absätze mit je einem Thema, oder eine kurze Liste:

  • Ablauf: Besichtigung, Angebot, Termin, Umsetzung
  • Dauer: abhängig vom Umfang, im Angebot verbindlich genannt
  • Material: auf Wunsch Muster im Ausstellungsraum

Wirklichkeit: Auf dem Telefon werden aus vier Zeilen am Monitor schnell zehn. Ein Thema pro Absatz macht Texte überfliegbar, ohne dass Inhalt verloren geht.

Mythos 3: „Kreative Überschriften machen neugierig.“

Vorher: „Mehr als nur Handwerk“

Nachher: „Was eine Badsanierung bei uns umfasst“

Wirklichkeit: Zwischenüberschriften sind Wegweiser. Wer scrollt, liest oft nur sie. Sie sollten deshalb sagen, was im Abschnitt steht. Das hilft auch technisch: Laut MDN können die meisten Screenreader eine Liste aller Überschriften einer Seite erzeugen, damit Nutzer direkt zu einem Abschnitt springen – vorausgesetzt, die Überschriftenebenen werden sauber und ohne Sprünge verwendet.

Mythos 4: „Ein ‚Mehr erfahren‘ reicht als Button.“

Vorher: „Mehr erfahren“, „Klicken Sie hier“, „Weiter“

Nachher: „Rückruf vereinbaren“, „Preisliste als PDF öffnen“, „Termin für Besichtigung wählen“

Wirklichkeit: Ein Button sollte sagen, was nach dem Antippen passiert. Auf dem Handy, wo jeder Fehlklick Zeit kostet, ist das besonders wichtig.

Mythos 5: „Auf dem Handy muss einfach weniger drinstehen.“

Wirklichkeit: Nicht weniger Inhalt, sondern bessere Reihenfolge. Wichtige Informationen wegzulassen, damit die mobile Seite kürzer wirkt, führt zu mehr Rückfragen. Besser: das Wichtigste nach oben, Details darunter oder in aufklappbaren Bereichen, die man gezielt öffnen kann.

Mythos 6: „Viel Fettdruck hilft beim Überfliegen.“

Vorher: In jedem Satz sind zwei, drei Wörter fett, dazu ein farbiger Hinweiskasten nach dem anderen.

Nachher: Pro Abschnitt höchstens ein hervorgehobener Begriff, und zwar der, nach dem jemand sucht – etwa „kostenlose Besichtigung“ oder „Notdienst am Wochenende“.

Wirklichkeit: Hervorhebungen funktionieren nur, solange sie selten sind. Wenn alles betont ist, sticht nichts mehr heraus, und der Text wirkt auf dem kleinen Bildschirm unruhig.

Die Regeln auf einen Blick

  1. Kernaussage zuerst. Jede Seite, jeder Abschnitt, jeder Absatz beginnt mit dem, was der Leser wissen will. Die Nielsen Norman Group nennt das umgekehrte Pyramide.
  2. Ein Gedanke pro Absatz. Zwei bis drei Sätze sind auf dem Telefon ein guter Richtwert.
  3. Konkrete Zwischenüberschriften alle paar Absätze, ohne Wortspiele.
  4. Listen für Aufzählungen, Fließtext für Zusammenhänge.
  5. Wichtige Wörter vorn im Satz. „Termine am Samstag möglich“ statt „Nach vorheriger Absprache sind auch Termine am Samstag möglich“.
  6. Buttons als Handlung formulieren, kurz und eindeutig.
  7. Zahlen als Ziffern, wo es um Fakten geht: „3 Standorte“ ist schneller erfasst als „drei Standorte“.
  8. Kontaktwege dort, wo die Frage entsteht. Telefonnummer als antippbarer Link, nicht nur im Fußbereich.
  9. Fremdwörter und Behördendeutsch streichen. „Wir melden uns innerhalb eines Werktags“ statt „Eine Rückmeldung erfolgt zeitnah“.
  10. Am Handy prüfen, nicht am Monitor. Jede neue Seite einmal auf dem eigenen Telefon lesen, am besten unterwegs.

So überarbeiten Sie bestehende Seiten

Nehmen Sie sich zuerst die Seiten vor, die am häufigsten aufgerufen werden, meist Startseite und die wichtigsten Leistungsseiten. Öffnen Sie sie auf dem Telefon und stellen Sie drei Fragen: Weiß ich nach dem ersten Bildschirm, worum es geht? Finde ich durch Scrollen und Überfliegen der Überschriften die Antwort auf meine wichtigste Frage? Weiß ich, was ich als Nächstes tun kann?

Wo eine Antwort „nein“ lautet, schreiben Sie den betreffenden Abschnitt um. Lesen Sie den neuen Text laut vor: Wo Sie stolpern oder Luft holen müssen, ist der Satz zu lang.

Häufige Fragen

Wie lang darf ein Website-Text insgesamt sein?

So lang, wie es der Inhalt braucht. Eine ausführliche Leistungsseite ist kein Problem, wenn sie gut gegliedert ist. Problematisch sind nicht lange Seiten, sondern lange Absätze ohne Orientierung.

Gilt das auch für Blogartikel und Ratgeber?

Ja, mit etwas mehr Spielraum. Wer einen Ratgeber liest, hat sich bewusst dafür entschieden. Trotzdem helfen eine kurze Antwort am Anfang und klare Zwischenüberschriften, damit Leser schnell zur relevanten Stelle springen.

Sollte ich für Mobil und Desktop unterschiedliche Texte schreiben?

In der Regel nicht. Ein Text, der auf dem Handy gut funktioniert, funktioniert auch am Monitor. Zwei Versionen zu pflegen, führt erfahrungsgemäß dazu, dass eine davon veraltet.

Hilft eine KI beim Umschreiben?

Sie kann Entwürfe für kürzere Absätze und klarere Überschriften liefern. Prüfen Sie das Ergebnis aber immer auf Fakten und Tonfall – und lesen Sie es am Ende auf dem Telefon.

Wenn Sie Ihre wichtigsten Seiten für das Handy überarbeiten möchten und eine zweite Meinung brauchen, lese ich gern mit Ihnen gegen – schreiben Sie mir einfach.

Quellen

WhatsAppSprechen wir