Warum zwei Artikel Gegensätzliches raten: Eine Abgleichsnotiz schreiben
Leser bemerken Widersprüche schneller als Redaktionen. Ein Artikel rät, Bilder erst beim Scrollen zu laden, ein anderer, sie sofort zu laden. Beide können für ihre Lage richtig sein. Die Redaktion muss aber zeigen, für welche. Dieser Beitrag liefert eine Gliederung für eine Abgleichsnotiz, die an beiden Artikeln hängt. Es ist ein redaktioneller Entwurf, keine Aussage über technische Wahrheit.
Die Gliederung der Notiz
- Die beiden Empfehlungen in je einem Satz, wörtlich wie veröffentlicht.
- Die Bedingungen, unter denen jede geschrieben wurde: Seitenart, Zielgruppe, Aufwand, Zeitpunkt.
- Einstufung: vereinbar durch Bedingung, vereinbar durch Zeitablauf (eine ist überholt) oder echter Widerspruch.
- Entscheidungsregel für den Leser in zwei Sätzen: „Wenn X gilt, folgen Sie A. Wenn Y gilt, folgen Sie B.“
- Folge für die Artikel: Verweis einfügen, Text ändern, einen Artikel zurückziehen.
- Datum der Notiz und verantwortliche Rolle.
Der Schritt 3 ist der wichtigste. Er verhindert, dass jede Differenz als Fehler behandelt wird, und ebenso, dass echte Fehler als Bedingungsunterschied schöngeredet werden.
Die drei Einstufungen
Vereinbar durch Bedingung: Beide Texte sind unter ihren Annahmen richtig. Die Notiz benennt die Annahmen, und beide Artikel erhalten einen sichtbaren Hinweis auf die Bedingung.
Vereinbar durch Zeitablauf: Eine Empfehlung war richtig, als sie entstand, und die Lage hat sich geändert. Der ältere Text bekommt einen Hinweis oder wird überarbeitet. Das setzt voraus, dass Sie die Änderung der Lage belegen können; vermuten genügt nicht.
Echter Widerspruch: Unter denselben Bedingungen raten die Texte Verschiedenes. Mindestens einer ist falsch oder unklar. Die Notiz wird dann zur Aufgabe, nicht zur Erklärung.
Durchgespieltes Beispiel (frei erfunden)
Die Redaktion findet vier Paare widersprüchlicher Empfehlungen.
Paar 1: Bilder verzögert laden gegen sofort laden. Bedingung: Der eine Text meint lange Seiten mit vielen Bildern, der andere das Bild ganz oben. Einstufung: vereinbar durch Bedingung.
Paar 2: „Formular kurz halten“ gegen „alle Angaben vorab abfragen“. Bedingung: Der eine Text betrifft die erste Anfrage, der andere den Auftrag nach Zusage. Einstufung: vereinbar durch Bedingung.
Paar 3: Eine Anleitung für eine ältere Oberfläche gegen eine für die neue. Einstufung: vereinbar durch Zeitablauf, sofern der Wechsel belegt ist.
Paar 4: Zwei Texte nennen für dieselbe Seitenart gegensätzliche Regeln, ohne unterschiedliche Bedingungen. Einstufung: echter Widerspruch.
Bilanz: 2 durch Bedingung, 1 durch Zeitablauf, 1 echter Widerspruch, zusammen 4 Paare. Für Paar 1 und 2 braucht es also Notizen mit Entscheidungsregel, für Paar 3 einen Hinweis am älteren Artikel, für Paar 4 eine redaktionelle Entscheidung und keine bloße Notiz.
Stoppbedingungen
Schreiben Sie keine Abgleichsnotiz, wenn Sie die Bedingungen eines der Artikel nicht rekonstruieren können. Fragen Sie zuerst Autor oder Redaktion. Schreiben Sie auch keine Entscheidungsregel, die keiner der beiden Texte stützt, denn dann erfinden Sie eine dritte Empfehlung. Und lösen Sie nichts auf, indem Sie ein Alter oder Datum raten.
Abnahmetests (vorgeschlagen, nicht durchgeführt)
- Eine Person liest nur die Notiz und die Beschreibung einer Beispielseite und wählt A oder B. Zwei Personen sollten beim gleichen Beispiel dieselbe Wahl treffen.
- Jeder Satz der Notiz wird auf einen Satz in einem der beiden Artikel zurückgeführt.
- Beide Artikel verlinken zur Notiz, und die Notiz verlinkt zu beiden.
- Die Anzahl der Paare in der Bilanz stimmt mit der Anzahl der Einzelnotizen überein.
- Für den echten Widerspruch existiert eine offene Aufgabe mit Verantwortlicher oder Verantwortlichem.
Eine Notiz erklärt, sie beweist nichts. Wenn sich später die Bedingungen ändern, muss auch die Notiz aktualisiert werden. Tragen Sie deshalb ein Prüfdatum ein.