Vom Interview zur Zitatkarte: Passagen freigeben, ohne den Zusammenhang zu verlieren
Ein einstündiges Interview liefert viele schöne Sätze. Auf einer Unternehmensseite wird daraus schnell ein Zitat, das im Gespräch anders gemeint war. Dieser Entwurf schlägt eine Zitatquellen-Karte vor: eine Liste von Passagen, die jeweils einzeln freigegeben werden und eine ausdrückliche Kontextgrenze tragen. Alles hier ist eine bedingte Gestaltungsempfehlung, kein Hinweis auf eine fertige Funktion.
Das Artefakt: die Passagenfreigabe
Jede Zeile der Karte beschreibt genau eine Passage:
- Passagen-Nr. und Fundstelle (Zeitmarke oder Absatz im Transkript)
- Wortlaut, wie er veröffentlicht werden soll
- Abweichung vom Transkript (keine, gekürzt, geglättet)
- Vorherige Frage im Gespräch, die für das Verständnis nötig ist
- Kontextgrenze: Was darf nicht daneben stehen oder fehlen?
- Verwendungsort auf der Seite
- Entscheidung: frei, frei mit Grenze, zurückgestellt, abgelehnt
- Wer hat freigegeben, wann
Die Karte bewertet ausdrücklich keine Identität oder Eigenschaften der sprechenden Person. Sie beschreibt nur Text, Fundstelle und Verwendung.
Entscheidungsäste
Ast 1, wörtlich und eigenständig verständlich: Die Passage trägt ohne Vorfrage. Entscheidung: frei.
Ast 2, wörtlich, aber nur mit Vorfrage verständlich: Die Frage wird mitgenannt oder der Satz erhält eine Einleitung. Entscheidung: frei mit Grenze.
Ast 3, gekürzt oder geglättet: Jede Auslassung wird sichtbar markiert, und die Kürzung wird in der Karte vermerkt. Ändert die Kürzung die Aussage, wird die Passage abgelehnt.
Ast 4, Aussage über Dritte, Zahlen oder Zusagen: Zurückgestellt, bis eine zuständige Stelle im Unternehmen den Inhalt bestätigt hat.
Durchgespieltes Beispiel (hypothetisch)
Angenommen, ein Transkript hat 14 Kandidatenpassagen.
- 9 stehen ohne Vorfrage für sich: frei.
- 3 brauchen die Vorfrage, damit klar bleibt, worauf sich "das" bezieht: frei mit Grenze.
- 2 würden nur durch Kürzung kurz genug, und die Kürzung kehrt die Einschränkung "in kleinen Projekten" um: abgelehnt.
Probe: 9 + 3 + 2 = 14. Veröffentlicht werden 12 Passagen. Die Seite zeigt bei den 3 Grenzfällen die Vorfrage mit, die 2 abgelehnten erscheinen nirgends, auch nicht als "sinngemäß".
Haltepunkte
Die Bearbeitung stoppt, wenn eine dieser Bedingungen eintritt:
- Das Transkript ist an der Fundstelle unvollständig oder unverständlich.
- Die Kürzung verändert Einschränkung, Zahl oder Verneinung.
- Eine Passage soll auf einer anderen Seite stehen als vorgesehen und die Kontextgrenze passt dort nicht.
- Die Freigabe fehlt oder ist älter als die letzte Textänderung der Passage.
In all diesen Fällen bleibt die Passage unveröffentlicht, bis die Zeile geklärt ist. Niemand ergänzt die Lücke aus Vermutung.
Praktische Abnahmetests (vorgeschlagen, nicht durchgeführt)
- Stichprobe: Mehrere veröffentlichte Zitate werden Wort für Wort mit der Fundstelle im Transkript verglichen. Erwartet: Abweichungen nur dort, wo die Karte sie nennt.
- Kontextprobe: Eine Person, die das Interview nicht kennt, liest die 3 Grenzfälle auf der Seite und beschreibt, worum es geht. Erwartet: Beschreibung passt zur Vorfrage.
- Zählprobe: Anzahl der Kartenzeilen nach Entscheidung muss der Kandidatenzahl entsprechen.
- Umnutzungsprobe: Ein Zitat wird versuchsweise in einen anderen Seitenbereich kopiert. Erwartet: Die Karte zeigt, dass der Verwendungsort nicht freigegeben ist.
- Änderungsprobe: Ein Wort in einer freigegebenen Passage wird geändert. Erwartet: Der Status fällt auf "zurückgestellt", bis neu freigegeben wird.
Grenzen
Die Karte schützt vor Verkürzungsfehlern, nicht vor jedem Missverständnis. Sie ersetzt kein Gespräch mit der interviewten Person, wenn Zweifel bleiben. Wer nur drei Zitate braucht, kann sie klein halten, die Felder Fundstelle, Vorfrage und Freigabe aber sollten bleiben. Ohne diese drei Angaben ist das Zitat später nicht mehr nachprüfbar.