Zubehör und passende Produkte im Shop empfehlen
Kurz gesagt: Gute Zubehör-Empfehlungen beantworten die Frage „Was brauche ich noch dazu?“, bevor sie gestellt wird. Sie müssen technisch passen, an der richtigen Stelle stehen und dürfen den Kauf nicht ausbremsen. Automatische Empfehlungen zeigen eher Ähnliches; echtes Zubehör und Ersatzteile sollten Sie meist selbst zuordnen.
Wer eine Kaffeemaschine kauft, braucht Entkalker, wer eine Bohrmaschine kauft, braucht Bohrer, wer einen Drucker kauft, braucht Patronen. Viele Shops zeigen trotzdem unter jedem Produkt „Das könnte Ihnen auch gefallen“ mit drei anderen Kaffeemaschinen. Das ist nicht falsch, verschenkt aber die Gelegenheit, Kundinnen und Kunden wirklich zu helfen. Dieser Artikel behandelt Einzelempfehlungen; Produktsets und Bundles sind ein eigenes Thema.
Ähnliche Produkte und passendes Zubehör sind zwei Dinge
Shopify unterscheidet in seiner Entwicklerdokumentation (Stand November 2026) zwei Absichten von Empfehlungen: verwandte Produkte („Related“), also ähnliche oder austauschbare Artikel wie in einem Bereich „Das könnte Ihnen auch gefallen“, und ergänzende Produkte („Complementary“), also Zusatzprodukte wie in einem Bereich „Passt dazu“. Laut Shopify werden nur die verwandten Empfehlungen automatisch erzeugt, ergänzende Empfehlungen müssen manuell eingerichtet werden, etwa über die App Search & Discovery.
Diese Unterscheidung hilft auch in jedem anderen Shopsystem: Ähnliche Produkte unterstützen die Auswahl, Zubehör unterstützt den Kauf, der schon fast entschieden ist.
Häufige Fehler und bessere Lösungen
Fehler: Nur Alternativen statt Zubehör
Besser: Auf der Produktseite zwei getrennte Bereiche, „Alternativen“ weiter unten für Unentschlossene, „Passendes Zubehör“ nahe am Warenkorb-Button für alle, die schon kaufen wollen.
Fehler: Zubehör, das nicht passt
Ein Akku für das falsche Modell, ein Filter in der falschen Größe. Das ist schlimmer als gar keine Empfehlung, weil es zu Retouren und Ärger führt.
Besser: Kompatibilität als Datenfeld pflegen (Modellreihe, Anschlussart, Größe) und Empfehlungen nur aus kompatiblen Artikeln bilden. Bei Ersatzteilen den Hinweis „passend für Modell X und Y“ direkt in der Empfehlung zeigen.
Fehler: Zu viele Empfehlungen
Zwölf Artikel in einem Slider, drei verschiedene Empfehlungsblöcke und ein Pop-up beim Warenkorb lenken ab.
Besser: Wenige, gut ausgewählte Artikel, meist drei bis sechs. In Shopware lässt sich beim Cross-Selling laut Dokumentation eine maximale Produktanzahl festlegen, die angezeigt werden soll.
Fehler: Pop-ups, die den Kauf unterbrechen
Ein Fenster „Wollen Sie nicht noch …?“ direkt nach dem Klick auf „In den Warenkorb“ nervt viele und wird reflexartig weggeklickt.
Besser: Zubehör im Warenkorb oder in einer seitlichen Leiste anzeigen, die den Weg zur Kasse nicht blockiert, mit einem einfachen „Hinzufügen“-Button.
Fehler: Verbrauchsmaterial wird vergessen
Wer einen Wasserfilter kauft, braucht in einigen Monaten Ersatzkartuschen. Der Shop zeigt sie nur einmal, beim Erstkauf.
Besser: Verbrauchsmaterial auch nach dem Kauf anbieten: im Kundenkonto unter „Ihre Geräte“ oder per Erinnerungsmail, wenn die Kundin dem zugestimmt hat.
Fehler: Ausverkaufte Artikel in Empfehlungen
Besser: Empfehlungen nur aus lieferbaren Artikeln bilden oder mindestens die Lieferzeit anzeigen.
Fehler: Teures Zubehör zu einem günstigen Produkt
Eine Tasche für 80 Euro zu einem Gerät für 50 Euro wirkt unpassend.
Besser: Die Preisspanne der Empfehlungen am Hauptprodukt orientieren und Premium-Zubehör eher als Option für Interessierte zeigen.
Fehler: Überall dieselben Empfehlungen
Manche Shops zeigen unter jedem Produkt die gleichen Bestseller, weil das Theme sie global einbindet. Das wirkt beliebig und wird schnell übersehen.
Besser: Empfehlungen immer vom Hauptprodukt abhängig machen. Wenn für ein Produkt nichts Sinnvolles vorliegt, den Block lieber ausblenden als mit Füllware zu bestücken.
Fehler: Zubehör ohne Erklärung
Ein Artikel „Adapter 3/8 Zoll“ sagt Laien wenig. Ohne Hinweis, wofür er gebraucht wird, legt ihn kaum jemand in den Warenkorb, und wer es doch tut, ist unsicher.
Besser: Zu jeder Empfehlung ein kurzer Satz, wozu sie dient: „Für den Anschluss an Standard-Gartenschläuche“ oder „Ersatzbeutel, reichen etwa für die erste Saison“ (nur wenn Sie das aus Erfahrung wissen). Für Ersatzteile hilft ein Bild, das zeigt, wo das Teil sitzt.
Manuell oder automatisch?
| Ansatz | Gut geeignet für | Grenzen |
|---|---|---|
| Manuelle Zuordnung | Zubehör, Ersatzteile, wenige Hundert Produkte | Aufwand bei großem Sortiment, muss gepflegt werden |
| Regelbasiert (dynamische Gruppen) | Kategorien mit klaren Merkmalen, z. B. „alle Filter für Serie A“ | Funktioniert nur mit sauberen Produktdaten |
| Automatisch (Kaufverhalten) | Ähnliche Produkte, „Kunden kauften auch“ | Braucht Bestelldaten, prüft keine Kompatibilität |
Shopware bietet laut Dokumentation beim Cross-Selling eines Produkts zwei Typen: eine dynamische Produktgruppe, die Artikel anhand von Kriterien auswählt, und eine manuelle Zuweisung einzelner Produkte. Mehrere Cross-Selling-Bereiche werden als Tabs angezeigt, deren Reihenfolge sich festlegen lässt, und die Sortierung nach Name, Preis oder Erscheinungsdatum ist einstellbar.
Für die meisten kleinen und mittleren Shops ist eine Mischung sinnvoll: Zubehör und Ersatzteile regelbasiert oder manuell, ähnliche Produkte automatisch.
Umsetzung Schritt für Schritt
- Produktgruppen bilden: Welche Produkte haben Zubehör, Ersatzteile oder Verbrauchsmaterial? Eine einfache Tabelle reicht für den Start.
- Kompatibilität erfassen: Für jedes Zubehör die passenden Modelle oder Merkmale. Am besten als Eigenschaft im Shopsystem, nicht nur im Beschreibungstext.
- Platzierung festlegen:
- Produktseite: „Passendes Zubehör“ nahe am Kaufbutton, „Alternativen“ weiter unten.
- Warenkorb: ein schmaler Block mit Verbrauchsmaterial und kleinen Ergänzungen.
- Nach dem Kauf: Bestellbestätigung oder Kundenkonto für Ersatzteile und Nachkauf.
- Texte schreiben: Statt „Empfehlungen“ eine konkrete Überschrift wie „Das brauchen Sie für die erste Inbetriebnahme“ oder „Passende Ersatzfilter“.
- Messen: Wie oft wird Zubehör über die Empfehlung in den Warenkorb gelegt? Shopify etwa bietet laut Entwicklerdoku Berichte zur Wirksamkeit von Produktempfehlungen im Analytics-Bereich; andere Systeme über Tracking-Ereignisse.
- Pflegen: Bei neuen Modellen und Auslaufartikeln die Zuordnungen anpassen.
Häufige Fragen
Wie viele Zubehörartikel sollte ich anzeigen?
Meist reichen drei bis sechs gut passende Artikel. Wichtiger als die Menge ist, dass jeder davon wirklich zum Produkt passt.
Kann ich Zubehör-Empfehlungen komplett automatisieren?
Für ähnliche Produkte ja. Für Zubehör und Ersatzteile nur, wenn die Kompatibilität als Datenfeld vorliegt; Kaufverhalten allein prüft nicht, ob etwas passt.
Wo bringen Empfehlungen am meisten?
Auf der Produktseite für Zubehör zur ersten Nutzung, im Warenkorb für kleine Ergänzungen und nach dem Kauf für Verbrauchsmaterial.
Stören Empfehlungen im Checkout?
Im eigentlichen Bezahlvorgang meist ja. Halten Sie den Weg zur Kasse frei und zeigen Sie Ergänzungen vorher, im Warenkorb.
Möchten Sie, dass Ihr Shop zu jedem Gerät das passende Zubehör vorschlägt und nicht nur ähnliche Artikel? Erzählen Sie mir gern von Ihrem Sortiment: Nachricht schreiben.