Zugänge für Agentur und Freelancer richtig vergeben
Kurz gesagt: Externe Dienstleister sollten nie Ihr Passwort bekommen, sondern ein eigenes Konto mit der kleinsten Rolle, die für ihre Aufgabe reicht. Die Inhaberschaft von Search Console, Analytics, Google-Unternehmensprofil, Werbekonto und Website bleibt bei Ihrem Betrieb. So können Sie jederzeit sehen, wer Zugriff hat, und ihn mit wenigen Klicks wieder entziehen.
Der typische Fall: Eine Agentur baut die Website, ein Freelancer kümmert sich um Anzeigen, jemand anderes um Suchmaschinenoptimierung. Jeder braucht Zugriff auf etwas, und weil es schnell gehen soll, wird das Passwort des Firmen-Google-Kontos per Mail verschickt oder die Agentur legt die Konten gleich selbst an. Beides rächt sich, spätestens wenn die Zusammenarbeit endet. Die folgende Übersicht zeigt, welche Rollen die gängigen Tools laut ihren Hilfeseiten vorsehen (Stand November 2026).
Die Übersicht: Tool, Rollen, empfohlene Vergabe
| Tool | Rollen laut Hilfeseite | Bei Ihnen bleibt | Für Externe meist passend |
|---|---|---|---|
| Google Search Console | Inhaber (bestätigt oder delegiert), uneingeschränkter Nutzer, eingeschränkter Nutzer | bestätigter Inhaber | uneingeschränkter oder eingeschränkter Nutzer |
| Google Analytics 4 | Administrator, Bearbeiter, Werbetreibender, Analyst, Betrachter, dazu optionale Dateneinschränkungen | Administrator | Bearbeiter für Einrichtung, sonst Analyst oder Betrachter |
| Google-Unternehmensprofil | Inhaber (ein primärer Inhaber), Administrator | primärer Inhaber | Administrator |
| Google Ads | Administrator, Standard, Schreibgeschützt, Abrechnung, Nur E-Mail | Administrator | Standard |
| WordPress | Administrator, Editor, Author, Contributor, Subscriber | Administrator | je nach Aufgabe Editor oder befristet Administrator |
Google Search Console
Laut Search-Console-Hilfe kann nur ein Inhaber anderen Nutzern Berechtigungen erteilen. Inhaber haben uneingeschränkte Kontrolle, uneingeschränkte Nutzer können alle Daten ansehen und bestimmte Maßnahmen ergreifen, eingeschränkte Nutzer sehen die meisten Daten. Es gibt bestätigte Inhaber, die die Inhaberschaft per Token (etwa einer HTML-Datei oder einem Tag) nachgewiesen haben, und delegierte Inhaber, die ein Inhaber hinzufügt. Für SEO-Arbeit reicht meist der uneingeschränkte Nutzer. Bestätigter Inhaber sollte ein Konto Ihres Betriebs sein.
Google Analytics 4
GA4 unterscheidet laut Analytics-Hilfe Administrator (darf Nutzer verwalten), Bearbeiter (volle Kontrolle über Property-Einstellungen, aber keine Nutzerverwaltung), Werbetreibender (Zielgruppen, Ereignisse, Schlüsselereignisse), Analyst und Betrachter. Zusätzlich lassen sich Daten einschränken, etwa „Keine Kostenmesswerte“ oder „Keine Umsatzmesswerte“. Wer das Tracking einrichtet, braucht meist Bearbeiter. Wer nur Berichte liest, braucht Analyst oder Betrachter. Die Rolle Administrator sollte bei Ihnen bleiben.
Google-Unternehmensprofil
Laut Google-Hilfe gibt es Inhaber und Administratoren; pro Profil genau einen primären Inhaber. Administratoren haben im Wesentlichen dieselben Rechte wie Inhaber, dürfen aber keine Nutzer hinzufügen oder entfernen und das Profil nicht löschen. Google weist ausdrücklich darauf hin, dass jeder Nutzer ein eigenes Google-Konto braucht, damit niemand sein Passwort weitergeben muss. Für Agenturen ist Administrator die passende Rolle.
Google Ads
Die Ads-Hilfe listet die Zugriffsebenen Nur E-Mail, Abrechnung, Schreibgeschützt, Standard und Administrator. Mit Standardzugriff können Kampagnen bearbeitet werden; Produktverknüpfungen hinzufügen oder entfernen ist laut der Tabelle dem Administrator vorbehalten. Viele Agenturen arbeiten mit einem Verwaltungskonto, das mit Ihrem Konto verknüpft wird. Entscheidend ist, dass das Werbekonto selbst und das Zahlungsprofil auf Ihr Unternehmen laufen.
WordPress
WordPress kennt laut eigener Dokumentation die Standardrollen Administrator, Editor, Author, Contributor und Subscriber, jeweils mit festgelegten Fähigkeiten. Für Textarbeit reicht Editor. Für technische Arbeiten an Plugins und Themes ist Administrator nötig; vergeben Sie ihn dann an ein eigenes, benanntes Konto und nehmen Sie ihn nach Abschluss wieder zurück. Dazu kommen oft Zugänge zum Hosting und zur Domainverwaltung: Auch dort bieten viele Anbieter Zusatznutzer statt geteilter Logins an.
Was Sie vermeiden sollten
- Passwort des Firmenkontos teilen. Sie wissen dann nicht mehr, wer was geändert hat, und die Anmeldung mit zweitem Faktor landet auf fremden Handys.
- Konten von der Agentur anlegen lassen. Wenn die Agentur Inhaber Ihrer Analytics-Property oder Ihres Werbekontos ist, gehören die Daten faktisch ihr. Lassen Sie Konten unter einer Firmenadresse anlegen, die Ihr Betrieb kontrolliert.
- Private Mailadressen als Inhaber. Wenn der Inhaber „vorname.nachname@gmail.com“ eines ehemaligen Mitarbeiters ist, wird es kompliziert. Besser ist ein funktionales Firmenkonto, auf das mindestens zwei Personen Zugriff haben.
- Alle bekommen alles. Die bequemste Rolle ist meist die höchste. Fragen Sie: Was genau muss die Person tun? Dann die kleinste Rolle wählen.
- Zugänge nach Projektende vergessen. Externe Konten bleiben jahrelang aktiv, wenn niemand aufräumt.
So geht die Einladung praktisch
Bitten Sie die Agentur um die E-Mail-Adresse des Google-Kontos, mit dem sie arbeitet, und laden Sie genau diese Adresse ein. Fragen Sie nach, ob es ein persönliches Konto der zuständigen Person oder ein Agenturkonto ist. Ein persönliches Konto ist nachvollziehbarer, ein Agenturkonto überlebt Personalwechsel bei der Agentur. Notieren Sie beides in Ihrer Liste.
Eine Zugangsliste führen
Eine einfache Tabelle reicht: Tool, Konto oder Property, Person beziehungsweise Firma, Rolle, vergeben am, Grund, geplantes Ende. Einmal im Quartal oder bei jedem Dienstleisterwechsel gehen Sie die Liste durch. Wer nicht mehr für Sie arbeitet, wird entfernt. In Search Console, GA4, Google-Profil und Ads geht das jeweils über die Nutzerverwaltung des Tools; bei WordPress über die Benutzerliste, wobei Inhalte beim Löschen einem anderen Konto zugeordnet werden können.
Wenn die Agentur den Zugang nicht zurückgibt
Steht die Inhaberschaft bei einem Externen, hilft zuerst eine freundliche, schriftliche Bitte um Übertragung. Bei der Search Console können Sie als Betreiber der Website die Inhaberschaft per Token selbst nachweisen, weil Sie die Website kontrollieren. Bei den anderen Tools ist eine Übertragung durch den bisherigen Inhaber der einfachste Weg. Planen Sie dafür Zeit ein, und klären Sie die Frage künftig gleich zu Beginn jedes Projekts: Im Angebot oder in der Auftragsbestätigung sollte stehen, dass alle Konten auf Ihren Betrieb laufen und Externe nur Nutzerrollen erhalten.
Häufige Fragen
Welche Rolle braucht eine SEO-Agentur in der Search Console?
Meist reicht „uneingeschränkter Nutzer“. Inhaberrechte sind nur nötig, wenn die Agentur selbst weitere Nutzer verwalten soll, und sollten dann als delegierte Inhaberschaft vergeben werden, die Sie wieder entziehen können.
Darf eine Agentur mein Google-Ads-Konto anlegen?
Technisch ja, aber das Konto und das Zahlungsprofil sollten auf Ihr Unternehmen laufen. Die Agentur verknüpft ihr Verwaltungskonto oder bekommt Standardzugriff.
Wie entziehe ich einem Freelancer alle Zugänge?
Mit Ihrer Zugangsliste: in jedem Tool die Nutzerverwaltung öffnen und das Konto entfernen. Danach geteilte Passwörter ändern, falls es welche gab.
Brauchen Externe ein eigenes Google-Konto?
Ja. Google empfiehlt selbst, dass jeder Nutzer ein eigenes Konto verwendet, damit keine Passwörter weitergegeben werden müssen.
Unsicher, wer gerade Zugriff auf Ihre Website, Ihr Google-Profil oder Ihre Daten hat? Ich gehe die Liste gern mit Ihnen durch: Anfrage senden.