Liefertreue von Lieferanten: Welche Zusage bewertet Ihre Einkaufs-App?
Bevor eine Pünktlichkeitsquote die Lieferantenauswahl beeinflusst, müssen Termin, Mengen und fehlende Bestellungen dahinter klar sein. Ein guter Prozentwert kann nur einen Ausschnitt der Einkaufshistorie beschreiben. Sinnvoll ist eine nachvollziehbare Lieferantenbewertung mit einem nächsten Prüfschritt, nicht ein grünes Etikett, das unbemerkt den nächsten Auftrag vergibt.
Dieser Leitfaden behandelt die nachträgliche Bewertung von Lieferzuverlässigkeit. Aktuelle Angebote zu vergleichen, Bestände vorauszuplanen oder vertragliche Verantwortung festzustellen sind andere Aufgaben.
Zusage und aktuelle Prognose getrennt halten
Welches Datum wird verglichen: Ihr Wunschtermin, die bestätigte Lieferzusage oder der zuletzt erwartete Eingang? Diese Angaben müssen nicht übereinstimmen. Verschieben Mitarbeitende nach einer Verzögerung das erwartete Datum, beantwortet eine Auswertung auf dieser Grundlage möglicherweise nicht mehr die Frage nach der ursprünglichen Zusage.
Empfehlung für eine individuelle Einkaufs-App: Bewahren Sie den vereinbarten Ausgangstermin und spätere Änderungen samt Gründen auf. Die aktuelle Prognose bleibt für die Planung sichtbar, ersetzt aber nicht stillschweigend die Bewertungsgrundlage. Entscheiden Sie ausdrücklich, ob eine genehmigte Neuvereinbarung die Bewertung verändert.
Verspätung allein beweist kein Verschulden. Eine eigene verspätete Anweisung, ein bestrittener Wareneingang oder eine vereinbarte Änderung kann eine Prüfung nötig machen, bevor daraus ein Lieferantenfehler wird.
Bestellungen zählen oder Mengen gewichten?
Eine auftragsbezogene Quote fragt, ob eine ganze Bestellung die vereinbarte Regel erfüllt hat. Eine mengenbezogene Quote fragt, wie viel rechtzeitig eingetroffen ist. Liefert ein Anbieter einen kleinen Teil pünktlich und den Rest später, können diese Maßstäbe zu unterschiedlichen Einschätzungen führen.
Der offizielle Quelltext von Odoo 19 für purchase_stock zeigt ein konkretes Modell. Die Berechnung der Pünktlichkeitsquote verwendet geeignete Bestellpositionen, summiert bestellte Mengen und vergleicht abgeschlossene Lagerbewegungen mit den geplanten Terminen der Positionen. Dabei werden die Datumsteile verglichen, nicht eine genaue Ankunftsminute wie bei einem Termin.
Das beschreibt den gelesenen Programmstand, keinen allgemeinen Beschaffungsstandard. Andere Versionen, Erweiterungen oder Anpassungen können abweichen. Lassen Sie die tatsächlich eingesetzte Berechnung und ihre Einheiten vorführen, bevor Sie sie für Einkaufsentscheidungen nutzen.
Welche überfällige Arbeit fehlt in der Quote?
Im genannten Quelltext werden nur Bestellpositionen mit einer empfangenen Menge ungleich null ausgewählt. Eine Position ohne Wareneingang geht damit nicht in diese Berechnung ein. Das Zeitfenster richtet sich nach dem Bestelldatum; Dienstleistungen werden ausgeschlossen. Für fehlende Daten verwendet die Implementierung einen negativen Wert, keine erfolgreiche Quote.
Verlangen Sie deshalb für Ihre Anwendung eine gesondert sichtbare Liste überfälliger Positionen ohne Eingang. Sonst können Kennzahl und dringender Handlungsbedarf auseinanderliegen. Zeitraum, berücksichtigte Grundgesamtheit und fehlende Daten gehören zur Darstellung. „Keine passende Historie“ darf nicht als perfekte Liefertreue erscheinen.
Bestimmen Sie außerdem, wie Rückgaben, korrigierte Eingänge, Mengenänderungen und stornierte Reste in Ihrem Maßstab behandelt werden. Aus einer einzelnen Methode lässt sich deren vollständige Behandlung nicht ableiten; eine Buchhaltungsregel wird hier nicht festgelegt.
Aus der Kennzahl eine Prüfung machen
Lassen Sie Einkaufsverantwortliche die zugehörigen Bestellungen und Eingangsbelege aus der Bewertung öffnen. Eine Korrektur der Berechnung ist von der geschäftlichen Entscheidung zu trennen, den Lieferanten anzusprechen, eine Erklärung einzuholen oder künftig anders einzukaufen. Strittige Fälle brauchen eine zuständige Person und ein dokumentiertes Ergebnis.
Liefertreue bleibt von Qualität, Preis und Eignung getrennt. Eine Pünktlichkeitsquote belegt weder die vertragsgemäße Beschaffenheit der Ware noch, dass ein Lieferantenwechsel sinnvoll ist.
Bei der Abnahme auch unbequeme Fälle verwenden
Nehmen Sie in die Abnahmekriterien erfundene Bestellungen mit rechtzeitigem Eingang, verspätetem Eingang, teilweisem Eingang und überfälliger Position ohne Eingang auf. Ergänzen Sie ein verschobenes Erwartungsdatum und einen Lieferanten ohne passende Historie. Legen Sie vor dem Bericht fest, welche Daten einfließen und wie das Ergebnis fachlich zu lesen ist.
Jeder Wert muss zu seinen Ursprungsdaten führen; überfällige ausgeschlossene Arbeit muss separat auffindbar bleiben. Lassen Sie das erwartete Ergebnis anhand genau dieser Testdaten berechnen, nicht nur eine angenehme Musterhistorie präsentieren.
Bringen Sie diese Nachweisregeln in das Gespräch über Ihre Einkaufsanwendung ein. Ziel ist ein begründbarer Folgeprozess statt einer unerklärten Rangliste.
Quelle und Grenzen
Der offizielle Odoo-19-Quelltext wurde am 26. Oktober 2026 abgerufen und gelesen. Er belegt die beschriebenen Implementierungsbeispiele. Eine laufende Odoo-Installation oder echte Lieferantendaten wurden nicht getestet. Historisierung, Prüfung strittiger Fälle und Abnahmetests sind vorgeschlagene Anforderungen, keine Feststellung von Verschulden oder rechtlicher Konformität.