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Website auf Türkisch, Arabisch oder BKS: Lohnt sich das?

Kurz gesagt: Eine Sprachversion auf Türkisch, Arabisch oder Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (BKS) lohnt sich, wenn ein spürbarer Teil Ihrer Kundschaft diese Sprache spricht und Sie in dieser Sprache auch antworten können. Amtliche Zahlen zeigen, dass das Potenzial real ist: In Deutschland ist Türkisch laut Destatis nach Deutsch die am häufigsten zu Hause gesprochene Sprache. Technisch braucht eine gute Umsetzung eigene URLs pro Sprache, korrekte hreflang-Angaben, bei Arabisch eine echte Rechts-nach-links-Darstellung und Texte von Muttersprachlern statt reiner Maschinenübersetzung.

Was die amtlichen Zahlen zeigen

Deutschland: Laut Destatis (Mikrozensus, Berichtsjahr 2024) verständigten sich 15,5 Millionen Menschen zu Hause vorwiegend oder ausschließlich in einer anderen Sprache als Deutsch. Unter ihnen war Türkisch mit 14 % die häufigste Sprache, gefolgt von Russisch (12 %) und Arabisch (9 %). Gleichzeitig spricht der überwiegende Teil der Menschen mit Einwanderungsgeschichte zu Hause auch Deutsch, oft neben einer weiteren Sprache.

Österreich: Statistik Austria weist für den 1. Jänner 2026 unter den ausländischen Staatsangehörigen unter anderem 123.391 Personen aus der Türkei, 122.527 aus Serbien, 113.705 aus Syrien, 108.754 aus Kroatien und 102.105 aus Bosnien und Herzegowina aus. Staatsangehörigkeit ist allerdings nicht dasselbe wie Sprache: Eingebürgerte fehlen in dieser Zählung, und nicht jede Person spricht die Sprache ihres Herkunftslandes bevorzugt.

Für Sie zählt am Ende nicht der Landesdurchschnitt, sondern Ihr Einzugsgebiet und Ihre heutige Kundschaft. Fragen Sie im Team nach: Wie oft wird am Telefon oder am Empfang in eine andere Sprache gewechselt? Welche Sprachen sprechen Ihre Mitarbeiter?

Wann sich eine Sprachversion lohnt

Gute Gründe:

  • Arztpraxen und Therapie: Wer sich unsicher ist, ob er etwas richtig verstanden hat, sucht oft gezielt nach einer Praxis, die seine Sprache spricht.
  • Rechtsberatung und Steuerberatung: Vertrauen hängt stark daran, ob man sein Anliegen in der eigenen Sprache schildern kann.
  • Handwerk und Dienstleistungen: wenn Mitarbeiter die Sprache sprechen und das ein echter Vorteil im Kundengespräch ist.
  • Einzelhandel und Gastronomie mit klarer Zielgruppe im Viertel.

Schlechte Gründe: „Das macht ein moderner Auftritt so“, oder eine Sprachversion, hinter der niemand steht, der Anfragen in dieser Sprache beantworten kann. Eine arabische Website, auf die eine Antwort nur auf Deutsch folgt, enttäuscht mehr, als sie nützt.

Faustregel: Bieten Sie eine Sprache auf der Website nur an, wenn Sie sie auch im Kontakt bedienen können, telefonisch, per E-Mail oder zumindest bei Terminen.

Umfang: Ganze Website oder Kernseiten?

Sie müssen nicht alles übersetzen. Für den Start reichen meist:

  • Startseite mit Ihrem Angebot
  • die wichtigsten Leistungsseiten
  • Kontakt, Anfahrt, Öffnungszeiten
  • eine Seite „Wir sprechen Ihre Sprache“, die erklärt, wer im Team welche Sprache spricht

Blog, Karriere und Detailseiten können vorerst auf Deutsch bleiben.

Technische Umsetzung

Eigene URLs und hreflang

Jede Sprachversion braucht eine eigene Adresse, etwa /tr/, /ar/ oder /bs/. Google empfiehlt, die Sprachvarianten über hreflang zu verknüpfen. Dabei gilt laut Google: In jeder Sprachversion müssen die Version selbst und alle anderen Sprachversionen aufgelistet sein; die alternativen URLs müssen vollständig angegeben werden. Für eine Seite mit Sprachauswahl oder ohne passende Sprache gibt es den Wert x-default.

Bemerkenswert: Google schreibt, dass es weder hreflang noch das HTML-Attribut lang zur Erkennung der Seitensprache verwendet, sondern Algorithmen. Umso wichtiger ist, dass der sichtbare Text tatsächlich in der jeweiligen Sprache ist und nicht zur Hälfte Deutsch bleibt.

BKS: Für hreflang unterstützt Google nur Sprachcodes nach ISO 639-1. Bosnisch (bs), Kroatisch (hr) und Serbisch (sr) haben eigene Codes; einen gemeinsamen Code für BKS gibt es dort nicht. Entscheiden Sie, welche Variante Ihre Zielgruppe hauptsächlich nutzt, und kennzeichnen Sie die Seite entsprechend. Bei Serbisch kommt hinzu, ob Sie lateinische oder kyrillische Schrift verwenden; für eine Zielgruppe im deutschsprachigen Raum ist die lateinische Schrift meist naheliegend, fragen Sie aber Ihre Kundschaft.

Keine automatische Weiterleitung: Google rät ausdrücklich davon ab, Nutzer aufgrund eigener Annahmen über ihre Sprache automatisch auf eine andere Sprachversion weiterzuleiten. Besser ist ein gut sichtbarer Sprachumschalter.

Arabisch: Rechts nach links

Arabisch wird von rechts nach links geschrieben. Das HTML-Attribut dir="rtl" legt laut MDN die grundlegende Textrichtung fest. Damit allein ist es aber nicht getan:

  • Das ganze Layout muss gespiegelt werden: Navigation, Pfeile, Abstände, Formularfelder.
  • Zahlen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und deutsche Eigennamen laufen weiter von links nach rechts und müssen sauber eingebettet werden.
  • Die Schrift braucht eine Schriftart, die arabische Zeichen gut darstellt, und oft eine etwas größere Schriftgröße.
  • Testen Sie auf echten Handys, nicht nur im Desktop-Browser.

Viele Website-Baukästen und Themes unterstützen RTL nur halb. Prüfen Sie das vor der Entscheidung für ein System.

Übersetzung: Maschine, Agentur oder Muttersprachler?

Maschinenübersetzung ist ein brauchbarer Entwurf, aber kein fertiger Text. Fachbegriffe, Tonfall und Höflichkeitsformen müssen von jemandem geprüft werden, der die Sprache als Muttersprache spricht und Ihr Fachgebiet versteht. Ideal ist eine Person aus dem Team, die gegenliest. Legen Sie ein kleines Glossar an, damit Begriffe überall gleich übersetzt werden; wie das aussehen kann, zeigt der Beitrag Übersetzungsglossar für die Website.

Rechtstexte: In welcher Sprache?

Viele Betriebe führen Impressum und Datenschutzerklärung auf Deutsch als maßgebliche Fassung. Art. 12 DSGVO verlangt aber, dass Informationen zur Datenverarbeitung in präziser, transparenter, verständlicher Form und in klarer und einfacher Sprache übermittelt werden. Wenn Sie eine Zielgruppe gezielt auf Türkisch oder Arabisch ansprechen, spricht viel dafür, zumindest eine übersetzte Fassung der Datenschutzinformation anzubieten, mit dem Hinweis, welche Fassung im Zweifel gilt. Bei Formularen sollte der Datenschutzhinweis in derselben Sprache wie das Formular stehen. Für verbindliche Vertragstexte holen Sie im Zweifel rechtlichen Rat ein.

Häufige Fragen

Reicht ein Übersetzungs-Widget auf der Website?

Für Besucher ist es besser als nichts, für Suchmaschinen bringt es wenig, weil keine eigenen Sprachseiten entstehen. Wer in der jeweiligen Sprache gefunden werden will, braucht echte Sprachversionen.

Was kostet eine zusätzliche Sprachversion?

Das hängt vom Umfang und davon ab, ob Ihr System Mehrsprachigkeit unterstützt. Arabisch ist wegen der RTL-Darstellung aufwendiger als Türkisch oder BKS. Rechnen Sie neben der Übersetzung auch die laufende Pflege ein.

Wie erfahren Kunden, dass wir ihre Sprache sprechen, wenn sie die Website gar nicht besuchen?

Nennen Sie die Sprachen überall dort, wo Sie gefunden werden: in der Beschreibung Ihres Unternehmensprofils, auf Visitenkarten, am Eingang und in der Telefonansage.

Wenn Sie überlegen, welche Sprache für Ihre Kundschaft zuerst sinnvoll ist, schreiben Sie mir, was Sie im Alltag beobachten.

Quellen

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