Website mit KI übersetzen: ein Ablauf mit Qualitätskontrolle
Kurz gesagt: Maschinelle Übersetzung mit DeepL oder einem Sprachmodell liefert heute brauchbare Rohfassungen, aber keine fertige Website. Ein verlässlicher Ablauf hat sechs Schritte: Texte vorbereiten, Fachbegriffe festlegen, maschinell übersetzen, von einer Person mit Muttersprache prüfen lassen, technisch sauber einbauen (eigene URLs, hreflang) und Änderungen künftig in beiden Sprachen nachziehen. Der teuerste Fehler ist nicht die schlechte Übersetzung am ersten Tag, sondern die zweite Sprache, die ab dem dritten Monat veraltet.
Die zweite Sprache lohnt sich für viele kleine Betriebe: Englisch für internationale Gäste, Türkisch, Polnisch oder Arabisch für Kundengruppen vor Ort, Französisch oder Italienisch für Geschäftspartner. Früher war das eine Kostenfrage. Mit maschineller Übersetzung ist es vor allem eine Ablauffrage.
Schritt 1: Den Ausgangstext aufräumen
Übersetzung verstärkt, was im Original steht, auch die Schwächen. Bevor irgendetwas übersetzt wird:
- Entscheiden, was übersetzt wird. Nicht jede Seite braucht eine zweite Sprache. Startseite, Leistungen, Preise oder Ablauf, Kontakt und Anfahrt reichen oft. Blogartikel, die in Deutschland verankert sind, eher nicht.
- Texte vereinfachen. Lange Schachtelsätze, Wortspiele und regionale Redewendungen übersetzen sich schlecht. Wenn ein Satz schon auf Deutsch zweimal gelesen werden muss, wird er in der Übersetzung nicht klarer.
- Bilder mit Text prüfen. Grafiken mit eingebettetem deutschem Text müssen neu erstellt werden; das wird oft vergessen.
- Alle Texte an einem Ort sammeln, inklusive Formularfelder, Fehlermeldungen, Buttons, Bildbeschreibungen, Seitentitel und Meta-Beschreibungen.
Schritt 2: Fachbegriffe und Namen festlegen
Jeder Betrieb hat Begriffe, die immer gleich übersetzt werden müssen oder gar nicht übersetzt werden dürfen: Produktnamen, Leistungsbezeichnungen, Ortsnamen, Bezeichnungen aus Ihrer Branche. Halten Sie diese in einer Liste fest, bevor die Maschine loslegt. Wie man so ein Glossar sinnvoll anlegt und warum Begriffe je nach Sprachrichtung unterschiedlich behandelt werden, beschreibt ein eigener Leitfaden.
Technisch lässt sich das Glossar oft direkt nutzen: DeepL etwa erlaubt laut seiner API-Dokumentation (abgerufen November 2026), Glossare mit Begriffspaaren für ein Sprachpaar anzulegen, die bei der Übersetzung berücksichtigt werden. Bei Sprachmodellen geben Sie die Liste im Auftrag mit.
Schritt 3: Maschinell übersetzen, aber mit Auftrag
Ob DeepL oder ein Sprachmodell: Die Qualität hängt stark davon ab, was Sie mitgeben.
- Zielgruppe und Ton: „Kundinnen eines Kosmetikstudios, freundlich, Sie-Form“ ergibt andere Texte als eine wörtliche Übertragung.
- Region: Britisches oder amerikanisches Englisch, Schweizer oder französisches Französisch.
- Was nicht übersetzt wird: Eigennamen, Adressen, Markennamen.
- Einheitliche Formatierung: Datums- und Uhrzeitformate, Währungsangaben, Telefonnummern mit Ländervorwahl.
Arbeiten Sie seitenweise, nicht Satz für Satz. Ein Modell, das die ganze Seite sieht, übersetzt Zusammenhänge besser als eines, das nur Fragmente bekommt.
Schritt 4: Prüfen lassen, und zwar durch Menschen
Das ist der Schritt, an dem gespart wird und der am meisten zählt. Eine Person mit der Zielsprache als Muttersprache liest jede Seite und achtet auf:
- Sätze, die korrekt, aber unnatürlich klingen.
- Falsche Fachbegriffe, besonders bei Leistungen und Preisen.
- Kulturelle Missverständnisse, etwa bei Anrede, Humor oder Bildauswahl.
- Abgeschnittene oder zu lange Texte in Buttons und Menüs.
Diese Person muss kein Übersetzungsbüro sein. Eine Mitarbeiterin mit der Sprache, eine Stammkundin oder ein Freelancer für einige Stunden reichen oft. Wichtig ist, dass jemand die Seite tatsächlich im Browser liest, nicht nur eine Tabelle mit Sätzen.
Für Seiten, auf denen Fehler teuer werden, also Preise, Stornobedingungen oder Sicherheitshinweise, lohnt sich eine professionelle Fachübersetzung.
Schritt 5: Technisch sauber einbauen
Google empfiehlt in seiner Dokumentation zu mehrsprachigen Websites (abgerufen November 2026):
- Eigene URLs pro Sprache, etwa /en/ oder en.ihre-domain.de, statt die Sprache per Cookie oder Browsereinstellung zu wechseln.
- Eine Sprache pro Seite: Inhalt und Navigation jeweils nur in einer Sprache, keine Übersetzungen nebeneinander auf derselben Seite.
- Keine automatische Umleitung aufgrund vermuteter Sprache. Besucher sollen selbst wählen können, etwa über eine Sprachauswahl im Kopfbereich.
- hreflang-Angaben: Jede Sprachversion verweist auf alle Versionen, einschließlich sich selbst, mit vollständigen URLs. Für eine Sprachauswahl- oder Einstiegsseite gibt es den Wert x-default.
Bei Website-Baukästen und den meisten CMS übernimmt ein Mehrsprachigkeits-Plugin oder eine Einstellung diese Arbeit. Prüfen Sie im Quelltext einer Seite, ob die hreflang-Zeilen da sind und auf existierende Seiten zeigen.
Vergessen Sie nicht: Seitentitel und Meta-Beschreibungen in jeder Sprache, übersetzte URL-Teile, wenn das CMS es erlaubt, und ein Google-Unternehmensprofil, das auf die passende Startseite verlinkt.
Schritt 6: Pflege festlegen
Die meisten zweisprachigen Websites scheitern nicht am Start, sondern ein halbes Jahr später: Die deutschen Preise wurden aktualisiert, die englischen nicht. Legen Sie fest:
- Wer bei jeder Änderung die zweite Sprache nachzieht, im selben Arbeitsgang, nicht „irgendwann“.
- Welche Seiten bewusst nur auf Deutsch bleiben, damit niemand Lücken sucht.
- Einmal pro Quartal ein Abgleich: Stimmen Preise, Öffnungszeiten, Telefonnummern in beiden Sprachen?
Wenn das nicht gewährleistet ist, ist eine kleine, aktuelle englische Seite besser als eine vollständige, veraltete Spiegelung.
Häufige Fragen
Reicht nicht einfach ein Übersetzungs-Widget?
Widgets, die die Seite im Browser übersetzen, erzeugen meist keine eigenen URLs. Für Besucher kann das genügen, für die Auffindbarkeit in der Zielsprache bringt es wenig, und Sie haben keine Kontrolle über die Qualität.
DeepL oder Sprachmodell?
Beide liefern gute Rohfassungen. DeepL ist auf Übersetzung spezialisiert und hat Glossarfunktionen; ein Sprachmodell kann Texte zusätzlich an Zielgruppe und Ton anpassen. Entscheidend ist in beiden Fällen die menschliche Prüfung danach.
Muss die Übersetzung wörtlich sein?
Nein. Gute Website-Texte in der zweiten Sprache sind oft eine freie Fassung: gleiche Informationen, aber Beispiele und Formulierungen, die für die neue Zielgruppe funktionieren.
Woran sehe ich, ob die zweite Sprache genutzt wird?
In der Webanalyse lassen sich Seitenaufrufe nach Verzeichnis filtern, etwa alles unter /en/. In der Search Console sehen Sie, für welche Suchanfragen und aus welchen Ländern die Seiten der zweiten Sprache erscheinen. Kommen nach einigen Monaten kaum Besuche, prüfen Sie zuerst, ob die Seiten überhaupt indexiert sind und ob die Sprachauswahl gut sichtbar ist.
Wenn Sie überlegen, Ihre Website zweisprachig aufzustellen, und einen Ablauf suchen, der auch in einem Jahr noch funktioniert, schreiben Sie mir, welche Sprache Sie im Blick haben.